München – Die Nachricht ließ im Februar aufhorchen: ProSiebenSat.1 holt sich einen Großinvestor aus den USA an Bord. General Atlantic hatte aber nicht das Fernsehgeschäft im Visier. Der milliardenschwere Vermögensverwalter aus New York hatte es auf die Online-Sparte des Medienkonzerns abgesehen.
ProSiebenSat.1 hatte zuvor seine Konzernstruktur neu organisiert und seine Online-Töchter in einer Dachgesellschaft namens Nucom gebündelt. Zur Nucom-Gruppe gehören seitdem 13 Unternehmen, wie beispielsweise die Vergleichsportale Verivox und billigermietwagen.de, die Partnerbörsen Parship und Elitepartner, der Erlebnis-Anbieter Jochen Schweizer, die Online-Parfümerie Flaconi sowie der Online-Sex-Shop Amorelie.
So unterschiedlich die Online-Firmen sein mögen, sie haben zwei Gemeinsamkeiten. Erstens: Keine einzige der Nucom-Firmen hat etwas mit Privatfernsehen am Hut. Zweite Gemeinsamkeit: Alle Nucom-Firmen betreiben ihr Geschäft fast ausschließlich im Internet. Kräftige Umsatzzuwächse erhoffte sich der Medienkonzern durch Fernsehwerbung in der eigenen Senderfamilie.
Dennoch kam das Online-Geschäft bei ProSieben aber nie so richtig in die Gänge. Jetzt sollte der Einstieg von General Atlantic die Wende bringen. 25,1 Prozent sicherte sich der Investor an Nucom – die größte Investition des Vermögensverwalters in Deutschland. Der Wert von Nucom lag beim Einstieg bei 1,8 Milliarden Euro.
Verantwortlich für den Deal ist Jörn Nikolai. Er leitet in einem kleinen Büro in München das deutsche Geschäft von General Atlantic. Im Gespräch mit unserer Zeitung hat Nikolai nun erklärt, welche Strategie er mit dem Einstieg bei Parship, Verivox und Co. verfolgt.
„Wir helfen ProSieben, dass die Nucom-Firmen ihr Wachstumspotenzial voll ausschöpfen“, sagte Nikolai. Seit dem Einstieg habe General Atlantic ProSieben beispielsweise dabei unterstützt, mehrere unternehmerische Top-Manager bei verschiedenen Nucom-Firmen an Bord zu holen. „ProSieben hat viele andere Themen, auf die es sich fokussieren muss, wir dagegen haben den vollen Fokus auf Nucom“, sagte er.
In den Strukturen großer Konzerne sieht Nikolai ein Wachstumshemmnis: „Konzerne tendieren dazu, etwas übergriffig zu werden“, sagte er. „Gerade für junge und schnell wachsende Firmen ist es aber sehr schwierig, wenn sie sich mehr mit dem Mutterkonzern beschäftigen müssen als mit der eigenen Firma und der eigenen Marktstrategie“, sagte der Manager. General Atlantic dagegen wolle, dass die Nucom-Firmen wieder mit mehr unternehmerischer Freiheit geführt werden – ohne dass dabei Jobs verloren gehen. Denn Arbeitsplätze seien bei Nucom nicht abgebaut worden. „Uns geht es darum, ein Portfolio von Wachstumsfirmen zu managen, ohne sie zu erdrücken.“
Mit Max Conze habe man bei ProSieben jetzt einen Vorstandschef, der das genauso sehe. „Die Nucom-Firmen haben jetzt wieder mehr Freiheiten, Sachen auszuprobieren oder in neue Felder zu investieren.“ Pläne für einen „Exit“, also einen Ausstieg bei Nucom, gebe es noch nicht. Erfahrungsgemäß bleibe General Atlantic meist fünf Jahre bei einem Unternehmen investiert, erklärte Nikolai das Vorgehen.
Junge Wachstumsunternehmen zählen zur Spezialität des New Yorker Investors. „Das Umsatzwachstum der Firmen ist für uns der wichtigste Renditetreiber – statt Sparprogramme oder der Versuch, die Rendite durch Kredite zu hebeln.“ Damit unterscheide sich General Atlantic von klassischen Beteiligungsfirmen.
Kleinanleger haben allerdings nichts von den hohen Renditen, die General Atlantic mit den Wachstumsfirmen erzielen will: Das Unternehmen steht lediglich reichen und superreichen Menschen offen. „Die Mindesteinlage liegt bei etwa 25 Millionen Dollar“, sagte Nikolai.
Weltweit verwaltet der US-Investor inzwischen ein Vermögen in Höhe von 28 Milliarden Dollar (24,6 Milliarden Euro). International ist General Atlantic durch seinen Einstieg beim Wohnungsvermittler Airbnb bekannt, in Deutschland hält das Beteiligungsunternehmen 35 Prozent am Fernbusvermittler Flixbus.
Auch bei Flixbus habe General Atlantic das Wachstum positiv beeinflusst, sagt Nikolai, das Geschäft sei internationaler geworden. „Heute ist Flixbus in 27 Ländern aktiv und hat nicht nur ein Bus-, sondern auch ein Zug- und Chartergeschäft.“ In Deutschland plant der Milliardeninvestor weitere Beteiligungen. Welche Firmen General Atlantic ins Visier genommen hat, sagte Nikolai aber nicht.