München – Was die Versicherer über Jahre befürchtet haben, wird allmählich Realität: Der Klimawandel geht ins Geld. „Bemerkenswert sind klare Hinweise auf einen Einfluss des menschgemachten Klimawandels auf die verheerenden Waldbrand-Ereignisse in Kalifornien, die 2018 wie schon im Vorjahr zu Milliardenschäden führten“, heißt es im Naturkatastrophenbericht des Rückversicherers Munich Re, der gestern veröffentlicht wurde.
Mit einem Gesamtschaden in Höhe von 24 Milliarden Dollar (21 Milliarden Euro) erwiesen sich die Brände in Kalifornien als besonders kostspielig. Für etwa drei Viertel der Schäden kamen Versicherer auf. Trockenheit und starke Winde hatten die Ausbreitung der Brände beschleunigt. „Derart große Feuer treten durch den Klimawandel offenbar häufiger auf“, ergänzte Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied der Munich Re. „Daher muss hier bei Baustandards und Landnutzung gehandelt werden, um Schäden zu vermeiden.“ Versicherer sollten angesichts der Häufung ungewöhnlicher Ereignisse ihre Risikosteuerung überprüfen, mahnte Jeworrek. Denn nicht nur die Waldbrände in Kalifornien erwiesen sich 2018 als teuer.
Schäden in Höhe von 16 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro) verursachte Hurrikan Michael in den USA. Wirbelsturm Florence war mit 14 Milliarden Dollar (12,2 Milliarden Euro) kaum günstiger. Finanziell betroffen waren aber weniger die Versicherer, sie übernahmen bei Hurrikan Florence nur ein Drittel der Kosten. „Grund ist, dass die Versicherungsdichte gegen Überschwemmungen in den USA sehr niedrig ist und die Schäden bei Florence vor allem durch Hochwasser entstanden“, analysierten die Experten der Munich Re. Eine höhere Versicherungsdichte gegen Hochwasser wäre aber sinnvoll, da Studien einen begünstigenden Einfluss des Klimawandels auf Starkniederschläge in den Küstenregionen am Golf von Mexiko aufgezeigt hätten.
Europa hatte 2018 das gegenteilige Problem – hier regnete es zu wenig: Ein heißer, langer und ungewöhnlich trockener Sommer traf vor allem die Landwirtschaft. Laut Munich Re enstand ein direkter Schaden in Höhe von 3,9 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro). Indirekte Schäden etwa durch teurere Rohstoffe sind in dieser Berechnung noch gar nicht enthalten.
Der Ratschlag der Münchner: Da die Landwirtschaft die Folgen des Klimawandels wie etwa längere Dürreepisoden in Zukunft noch stärker spüren wird, seien für Landwirte spezielle Versicherungen sinnvoll, die Dürreschäden mit einschließen.
Rechnet man alle Schäden des Jahres 2018 zusammen, ergibt sich folgendes Bild: Weltweit verursachten Naturkatastrophen Schäden in Höhe von 160 Milliarden Dollar (140 Milliarden Euro), das war 14,2 Prozent mehr als der Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Die Versicherungen sprangen mit 80 Milliarden Dollar (70 Milliarden Euro) ein – das war fast doppelt so viel verglichen mit dem langjährigen Mittel.