Airbus: Führungswechsel und alte Rivalitäten

von Redaktion

Toulouse – Den Zweikampf zwischen Boeing und Airbus konnten die Amerikaner im abgelaufenen Jahr für sich entscheiden. Einen Tag nachdem Boeing die Auslieferung von 806 Flugzeugen meldete, zog Airbus nach und lag mit der Zahl 800 nur knapp hinter dem Marktführer – das sind 82 Maschinen mehr als im Vorjahr. Allerdings wäre der Abstand ohne amerikanische Hilfe größer. Durch die Übernahme der C-Serie von Bombardier (Kanada) verbesserten 20 dieser Flugzeuge die Absatzbilanz von Airbus.

Bei den Bestellungen hatte Boeing die Nase vorn: 1109 Aufträge stehen 893 der Europäer gegenüber. Vor allem Probleme der Triebwerkszulieferer für den Airbus-Bestseller A320 neo haben Airbus im laufenden Jahr zugesetzt. Von „beträchtlichen operativen Herausforderungen“ sprach der Chef der Verkehrsflugzeugsparte Guillaume Faury.

Der 50-jährige Faury wird im April als Chef des gesamten Airbus-Konzerns auf die Position des zehn Jahre älteren Deutschen Tom Enders wechseln. Bereits im Vorfeld zeichnet sich ab, dass im Umfeld des Wechsels alte deutsch-französische Rivalitäten wieder ausbrechen könnten.

Jürgen Kerner, IG-Metall-Vorstandsmitglied und Aufsichtsrat bei der Airbus-Konzerntochter Premium Aerotec in Augsburg und der deutschen Tochter der Verkehrsflugzeugsparte, fürchtet um die deutschen Standorte, aber auch um Investitionen und Programme. Jetzt forderte er im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ den Einsatz der deutschen Politik. „Die Bundesregierung hält immerhin zehn Prozent an Airbus.“

Berlin allerdings hat sich in den letzten Jahren betont herausgehalten. Und Enders ist stolz darauf, in den vergangenen Jahren den Einfluss der Politik deutlich zurückgedrängt zu haben.

Allerdings wurden auch in dieser Zeit Schlüsselkompetenzen aus Deutschland nach Frankreich verlagert, zuletzt bei der Hubschraubersparte. Das ist nun auch beim künftigen deutsch-französischen Kampfjet von Airbus und Dassault (Frankreich) zu befürchten.   mp

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