Audis Erfolgsserie ist gerissen: 3,5 Prozent Absatzminus

von Redaktion

Ingolstadt – Das abgelaufene Jahr hat eine lange Erfolgsserie beendet. Erstmals seit dem Krisenjahr 2009 verbuchte Audi 2018 einen Absatzeinbruch: Mit 1 812 500 ausgelieferten Autos blieb die Premium-Tochter von VW nicht nur unter dem Wert von 2016 (1 878 100), sondern auch unter dem von 2015 (1 868 750). Von „schwierigen Rahmenbedingungen“ ist in der Mitteilung des Autobauers die Rede. Von wirtschaftlichen Unsicherheiten, von Modellwechseln und der Umstellung auf den WLTP-Prüfzyklus. Doch geschadet haben dürfte auch die Schlüsselrolle, die Audi bei den Abgas-Betrügereien im VW-Konzern gespielt hat. Diese wurde durch die Verhaftung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler in der öffentlichen Wahrnehmung deutlicher als früher.

Stadlers Nachfolger Bram Schot sprach von einem sehr anspruchsvollen Jahr. Darüber tröstet sich Audi mit dem einzigen regionalen Lichtblick: China. Im Reich der Mitte legte der Absatz deutlich zu – um 10 Prozent auf 663 049 Auslieferungen. Damit wird mehr als jeder dritte Audi weltweit in China verkauft. Der dortige Markt droht Europa (743 600 Auslieferungen) bald abzulösen.

Ein wenig besser schlug sich die Stammmarke des VW-Konzerns, die mit einem kleinen Plus von 0,2 Prozent und 6 244 900 Auslieferungen für 2018 einen erneuten Absatzrekord verkünden konnte. Allein die 14 600 zusätzlichen Fahrzeuge der Marke VW schafften es nicht, das Minus von 65 605 bei Audi auszugleichen. Da muss der Gesamtkonzern schon auf seine kleineren Töchter zurückgreifen: Skoda setzte mit 1 253 700 Autos 53 200 mehr ab als 2017, bei Seat lag das Plus besonders hoch: 517 600, das sind 49 200 Autos mehr als im Vorjahr, und Porsche legte um 10 255 auf 256 255 ausgelieferte Fahrzeuge zu. So kann der Konzern, der heute seine Zahlen veröffentlichen wird, einen neuen Rekordwert vorlegen. Ob dieses Zahlen reichen werden, Toyota auf Distanz zu halten, ist unsicher.

Die anderen deutschen Autokonzerne hatten ihre Absatzbilanzen bereits veröffentlicht: Daimler mit den Marken Mercedes-Benz und Smart erreichte ein Plus von 0,6 Prozent auf 2 438 997. BMW mit den Marken Mini und Rolls-Royce kam, wie Vorstandschef Harald Krüger auf Twitter mitteilte, auf 2,49 Millionen. Das sind 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Genauere Zahlen nannte BMW gestern zu den Elektroautos: 142 627 im Jahr 2018 abgesetzte elektrifizierte Fahrzeuge (das sind neben dem vollelektrischen i3 auch die Plug-in-Hybrid-Autos) sind ein Zuwachs von 38,4 Prozent. Vom i3 allein wurden 35 000 Stück ausgeliefert – zehn Prozent mehr als 2017. Mit einem Anteil von 17 Prozent ist BMW damit Marktführer in Europa – vor VW (12 Prozent), Nissan (11) und Renault (9 Prozent).

Weltweit liegt BMW mit neun Prozent auf Platz 3 hinter Tesla (12 Prozent) und BYD (China – 11 Prozent). Im laufenden Jahr will BMW insgesamt eine halbe Million E-Fahrzeuge auf den Straßen haben. Das ist durchaus erreichbar. Rechnet man Zahlen hoch, die BMW bisher veröffentlicht hat, müssten es 2018 nur zwischen 150 000 und 160 000 neue E-Autos werden. MARTIN PREM

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