München – Die Zahlen könnten kaum besser sein: In München lag die Arbeitslosenquote bei Menschen unter 25 Jahren zuletzt bei 1,9 Prozent. In der Altersklasse herrscht praktisch Vollbeschäftigung. In Deutschland und Europa gibt es momentan kaum eine Millionenstadt, in der junge Menschen unter 25 Jahren derart gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, wie in München. Was dabei gerne übersehen wird: Eine Arbeitslosenquote unter Jugendlichen von 1,9 Prozent bedeutet auch, dass in der bayerischen Landeshauptstadt nach wie vor 1800 Menschen unter 25 Jahren keine Arbeit haben. Viele finden noch nicht einmal eine Lehrstelle.
Der Chef der Münchner Agentur für Arbeit, Wilfried Hüntelmann, kennt auch die Ursachen: Schlechte Schulnoten, kaum Deutschkenntnisse oder Eltern, die ebenfalls arbeitslos sind. Trotz Vollbeschäftigung bleibt hunderten Jugendlichen damit der Zugang zum Münchner Arbeitsmarkt verwehrt. „Es gibt Menschen, die mit ihrem Lebensweg schlicht durchs Raster fallen“, sagte Hüntelmann gestern in München.
Langfristig kann das zu einem Problem werden: Fehlt den Jugendlichen eine abgeschlossene Ausbildung, laufen sie Gefahr, für den Rest ihres Lebens in der Arbeitslosigkeit hängen zu bleiben.
Hüntelmann hält den derzeit boomenden Jobmarkt in München daher für den besten Zeitpunkt, um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. „Uns ist wichtig, dass zwischen Schule und Beruf möglichst keiner verloren geht“, sagte er.
Seine Behörde hat sich bereits 2016 einer bundesweiten Initiative angeschlossen, deren Ziel es ist, gegen die Jugendarbeitslosigkeit anzugehen. „Joblinge“ heißt das Projekt. Der Name mag gewöhnungsbedürftig klingen, in der Wirtschaft ist die Initiative aber auf großes Interesse gestoßen. Die Kfz-Innung München-Oberbayern und die TÜV-Süd-Stiftung haben sich angeschlossen, sie fördern ein spezielles Projekt für Kfz-Mechatroniker.
Noch sind die Gruppen klein: Vor gut einem Jahr startete das Projekt mit 14 Jugendlichen, vergangenes Jahr kamen noch einmal 14 Teilnehmer hinzu. Das Ziel: Durch gezielte Unterstützung sollen die Jugendlichen nach wenigen Monaten in der Lage sein, in einem Autohaus eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker zu starten. Bislang sieht es so aus, als hätte die Maßnahme Erfolg, wie Hüntelmann gestern berichtete. Die ersten Teilnehmer hätten ihre Lehre inzwischen begonnen.
Die Autohäuser wollen ihrerseits proftieren: „Die Sorge um den Nachwuchs führt dazu, dass wir uns in das Projekt mit einbringen“, sagte Andreas Brachem von der Kfz-Innung München-Oberbayern. Schon bald könnten weitere Branchen folgen. Behördenchef Hüntelmann will das Projekt auf weitere Berufsgruppen aus dem Handwerk ausdehnen. Die beteiligte TÜV-Süd-Stiftung denkt noch weiter: Sie will das Projekt auch in anderen Regionen anbieten, wie der Stiftungsvorsitzende Horst Schneider sagte.
Klar ist aber auch: Die intensive Förderung kostet Geld. Allein die Arbeitsagentur München hat für das Mechatroniker-Projekt bislang 45 000 Euro ausgegeben, hinzu kommen Ausgaben für Betreuer. Die TÜV-Süd-Stiftung steuerte noch einmal 70 000 Euro pro Jahr bei. Das Geld sehen die Projektpartner aber gut angelegt: Die Ausbildung betrachten sie als Schlüsselinstrument, um Arbeitslosigkeit in der Zukunft zu verhindern. SEBASTIAN HÖLZLE