Detroit – Die meisten deutschen Autohersteller bleiben der Automesse in Detroit heuer fern. Grund genug für VW-Chef Herbert Diess, seine Präsenz vor Ort zu nutzen. Schon am Vortag der Messe im einstigen amerikanischen Zentrum der Automobilindustrie kündigte er eine 800-Millionen-Euro-Investition in den Standort Chattanooga (Tennessee) an. Das US-Werk von VW wird damit auch zum nordamerikanischen Zentrum für die Produktion von Elektrofahrzeugen. 2022 sollen dort, wie Diess ankündigte, batterieelektrische Fahrzeuge auf Basis des Modularen Elektrizitätsbaukastens (MEB) von VW vom Band rollen.
Diess räumte ein, dass die Großinvestition auch ein Schritt sein könnte, um US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit zu besänftigen und zusätzliche Zölle auf Importwagen abzuwenden. Doch selbst im Fall von Zöllen sind zusätzliche Produktionskapazitäten ein Mittel, ihnen zu entgehen. Trump feierte die VW-Entscheidung auf Twitter als „großen Sieg“.
Hinter den Erwartungen zurück blieb dagegen die angesetzte lang erwartete Erklärung der Zusammenarbeit zwischen VW und Ford. Die entsprechende Pressekonferenz wurde abgesagt. Denn die Zusammenarbeit beschränkt sich auf Pick-up-Trucks und leichte Fahrzeuge. Das bietet sich an. Denn Volkswagen ist in Europa und China stark, Ford auf dem US-Markt, auf dem VW gar nicht mehr vertreten ist – obwohl vor allem alte VW-Campingbusse in den USA Kultstatus genießen.
Grund für die Abstinenz ist das Relikt eines uralten europäisch-amerikanischen Zollkriegs, bei dem der demokratische US-Präsident Lyndon B. Johnson 1964 eine Strafsteuer, die „Chicken Tax“, vor allem auf landwirtschaftliche Güter, aber auch kleine Nutzfahrzeuge aus Deutschland und Frankreich erheben ließ. Die 25-prozentige Sondersteuer auf Transporter und Pick-up-Trucks existiert weiter und wird von Trump immer wieder als Vorbild gepriesen, weil sie den Markt zu einem „Made-in-Amerika“-Segment machte. Ausländer sind dort kaum vertreten. Nur Daimler baut seinen Sprinter in South Carolina und verkauft ihn in den USA. Volkswagen hält seinen Amarok, einen Pick–up-Truck nach US-Vorbild, vom nordamerikanischen Markt fern.
Die vereinbarte Zusammenarbeit ist wahrscheinlich nur ein Anfang. Volkswagen-Chef Herbert Diess sprach von einem „großen Potenzial für eine Zusammenarbeit auch in anderen Bereichen“. Er und Ford-Vorstandschef Jim Hacket haben „Vertrauen zueinander gefunden“. mp / dpa