Warum Bosch auf eine SAP-Managerin setzt

von Redaktion

Führungswechsel in Grasbrunn bei München: Seit August leitet Tanja Rückert das Gebäudetechnik-Geschäft von Bosch. Die frühere SAP-Managerin soll dort die Digitalisierung voranbringen.

VON THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

München – Tanja Rückert strahlt Zufriedenheit aus: Sie hat einen Arbeitsplatz, bei dem sich Beruf und Familie gut vereinbaren lassen. Das darf in ihrem Fall als bemerkenswert gelten. „Home Office geht auch in meiner Funktion“, findet die Chefin der in Grasbrunn im Landkreis München ansässigen Bosch Gebäudetechnik. Einen Tag pro Woche managt sie in der Regel vom Heimarbeitsplatz in Heidelberg aus, wo die Mutter zweier Kinder mit Familie lebt.

Seit August hat Rückert das Sagen über zwei Milliarden Euro Jahresumsatz und 9000 Beschäftigte. Die gebürtige Fränkin ist damit die einzige Bosch-Managerin auf dieser Hierarchieebene. „Noch“, betont die 49-jährige. Ihre 16 Prozent Frauenanteil in Führungsetagen wollen die Stuttgarter bis 2020 auf ein Fünftel hieven.

Den Wechsel zu Bosch hat sich Rückert gut überlegt. „Dennoch ist es nie leicht, ein Unternehmen nach 20 Jahren zu verlassen“, gesteht Rückert. So lange und damit fast ihr ganzes Berufsleben hat Rückert beim Dax-Konzern SAP gearbeitet, wo die promovierte Chemikerin, die in Regensburg, Würzburg und dem britischen Swansea studiert hat, zuletzt unter anderem für das Internet der Dinge zuständig war.

Jetzt ist sie bei Bosch für Feuer- und Rauchmelder oder Sicherheitskameras zuständig. Genau wegen dieser Digitalexpertise hat Bosch sie abgeworben. Auch Gebäudetechnik wird im Zuge der Industrie 4.0 rasant vernetzt und mit künstlicher Intelligenz (KI) aufgepeppt. „Ich kann nun mit Hardware umsetzen, was man sich im Software-Himmel ausdenkt“, sagt sie schmunzelnd zum Beweggrund ihres Wechsels, den sie als einen „von Champions League zu Champions League“ empfindet. Ihre Strategie für Bosch bringt sie auf einen einfachen Nenner: Dinge vernetzen und die Probleme von Kunden lösen, auch durch Einbindung von Partnerprodukten.

Unter Partnerprodukten versteht Rückert unter anderem die von Bosch-Konkurrenten. „Das Wort Konkurrenz hat sich weitgehend überlebt“, betont sie. Vernetzte Internetplattformen für Sicherheitstechnik, wie sie Bosch Gebäudetechnik in ihrem Start-up-Unternehmen Sast entwickelt, müssten systemoffen und herstellerübergreifend sein.

Kunden hätten heute kein Interesse an Insellösungen. Dieses Denken sei noch nicht überall in der Gebäudetechnikbranche angekommen. Wer es verinnerliche, könne Trends setzen und sich zum Gewinner machen, ist Rückert überzeugt. Bosch sei dafür offen, sagt sie. „Zusammen mit dem Team kann ich eine Menge bewegen.“

Als vorteilhaft empfindet sie, dass Bosch anders als ihr vorheriger Arbeitgeber kein börsennotierter Konzern ist und damit nicht so sehr von Quartal zu Quartal denken muss. Das schaffe Raum für langfristige Strategien. Denn die Bosch Gebäudetechnik, die sie nun führt, sei im Kern noch ein Hardware-Unternehmen, sagt Rückert.

Aber das Bekenntnis zur Digitalisierung der Produkte sei ernst gemeint und Bosch als Gesamtkonzern dabei auch schon weiter als mancher Konkurrent, erklärt sie mit Verweis auf mittlerweile 25 000 Software-Ingenieure im Haus. Für das, was bei der Gebäudetechnik noch fehlt, fühlt sie sich zuständig.

„Das fügt sich wie ein Puzzle zusammen“, sagt die Digitalexpertin. Sie meint damit ihr eigenes Wissen über Vernetzung per Software und Künstlicher Intelligenz sowie das etablierte Branchen-Know-how ihres neuen Arbeitgebers.

Eine Revolution habe die Bosch Gebäudetechnik nicht nötig, lautet Rückerts Zwischenbilanz nach knapp sechs Monaten in Grasbrunn. Sie sei bereits gut aufgestellt. „Aber ich bin nicht gekommen, um das Geschäft exakt so fortzuführen, wie es ist“, stellt die neue Bereichschefin klar.

Artikel 2 von 5