Bayerische Unternehmen erwarten schlechtere Zeiten

von Redaktion

München – Noch brummt das Geschäft, allerdings ziehen am Horizont allmählich düstere Wolken auf. So beschrieb der neue Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK), Manfred Gößl, gestern die aktuelle Stimmungslage in bayerischen Unternehmen. „Die Lage ist gut, die Erwartungen sind eingetrübt“, sagte Gößl bei der Präsentation der aktuellen Konjunkturumfrage in München. Die Wirtschaft in Bayern befinde sich nicht in einer Rezession, sondern in einer Phase des Abschwungs.

Der BIHK befragt dreimal im Jahr rund 3500 Unternehmen im Freistaat zur aktuellen Geschäftslage und zu den Geschäftserwartungen. 56 Prozent der Befragten schätzten die Geschäftslage zum Jahresbeginn als gut ein, nur sechs Prozent klagten über schlechte Geschäfte. Solche Werte waren auch in den vergangenen Monaten zu beobachten – der Boom hält damit auch im Jahr 2019 an.

Was Gößl beunruhigt, sind die düsteren Zukunftsaussichten der Unternehmer: Zu Jahresbeginn rechneten 13 Prozent der befragten Firmenchefs mit schlechteren Geschäften – fast doppelt so viele wie im vergangenen Frühjahr.

Überraschend dabei: Nicht etwa der anstehende Brexit und der ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China zählen zu den drängendsten Sorgen der bayerischen Unternehmen. „Knapp zwei Drittel der Firmen sagen: Das größte Risiko ist der Fachkräftemangel“, betonte der BIHK-Chef. Immerhin: Der Trend zum Studium – Gößls Vorgänger Peter Driessen hatte mehrfach von einem „Akademisierungswahn“ gesprochen – ebbt allmählich ab. Die Zahl der Erstsemester an bayerischen Hochschulen sei 2018 um ein Prozent gestiegen, die Zahl der neuen Auszubildenden habe im selben Zeitraum um zwei Prozent zugelegt.

Wegen der eingetrübten Geschäftserwartungen forderte Gößl die Politik auf, rechtzeitig gegenzusteuern. „Jetzt wäre es angebracht, regulierend einzugreifen“, sagte er. Ins Spiel brachte er unter anderem vereinfachte Abschreibungsregeln für Unternehmen. Angesichts der Überlegungen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), den Spitzensteuersatz auf 45 Prozent zu erhöhen, sagte Gößl: „Diskussionen um Steuererhöhungen sind derart kontraproduktiv, dass man nur sagen kann: Rote Karte.“ SEBASTIAN HÖLZLE

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