Grundeinkommen: Gemischte Bilanz

von Redaktion

VON ANDRÉ ANWAR

Stockholm – Kaum eine andere Frage ist so von politischem Wunschdenken geprägt und spaltet die Links-Rechts-Lager wie das bedingungslose Grundeinkommen. Bislang gab es jedoch kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über Effekte am Arbeitsmarkt bei der Auszahlung eines bedingungslosen Gehaltes. Aus Finnland liegen nun erste Ergebnisse vor.

Ausgerechnet Finnlands bürgerlicher Ministerpräsident und Ex-Großunternehmer Juha Sipilä hatte dafür gesorgt, dass 2000 zufällig ausgewählten arbeitslosen Finnen zwei Jahre lang steuerfrei 560 Euro im Monat bedingungslos ausgezahlt wurde. Ohne Abstriche kamen Zusatzleistungen wie Kindergeld und, falls die Arbeitslosen eine Arbeit fanden, auf deren Gehalt hinzu. So sollten den Arbeitslosen schlecht bezahlte Jobs schmackhaft gemacht werden. Und bei einer Umsetzung im großen Stil wäre der teuere staatliche Kontrollapparat überflüssig.

Die 2000 Empfänger des finnischen Bürgerlohns wurden mit einer Kontrollgruppe von Arbeitslosen verglichen, die wie bisher die an viele Bedingungen und Einschränkungen geknüpfte Arbeitslosenunterstützung erhielten.

Laut Auswertung des ersten von zwei Jahren waren Bezieher des Grundeinkommens in Finnland nicht fauler bei der Arbeitssuche. Allerdings hatte die Regierung gehofft, dass Grundeinkommenbezieher beim Finden eines Jobs deutlicher über den normalen Arbeitslosen liegen. Insofern war das Experiment eine Enttäuschung.

Gleichzeitig erlebten die Bürgergeldempfänger aber einen deutlich höheren Grad an Wohlbefinden und Selbstvertrauen als die gewöhnlichen Arbeitslosen. „Sie hatten weniger Stresssymptome, weniger Konzentrationsschwierigkeiten und weniger gesundheitliche Probleme. Sie sahen die Zukunft und ihr eigenes Vermögen, diese zu gestalten, viel optimistischer“, sagt Minna Ylikännö, von der finnischen Versicherungsanstalt. Von anderen Studien ist bekannt, dass gerade Arbeitslose mit wenig Selbstvertrauen häufig psychisch ausbrennen und dann gar nichts mehr auf die Reihe kriegen.

„Das Grundeinkommen zu bekommen, war wie aus dem Gefängnis zu kommen“, sagte Juha Järvinen der Zeitung „DN“. Sini Marttinen sagte: „Dank des Bürgerlohns habe ich mich überhaupt erst getraut, ein Café in Helsinki aufzumachen.“ Das Grundeinkommen sei nur das, was die Kinder von Reichen schon immer bekommen hätten.

Forschungsleiter Olli Kangas sagte zusammenfassend: „Diejenigen, die ohnehin gegen das Grundeinkommen sind, können zufrieden sein – genauso wie diejenigen, die ohnehin für das Grundeinkommen sind.“

Artikel 5 von 5