München – Das klassische Taxigewerbe macht gegen die geplante Liberalisierung im Fahrdienst-Markt mobil. Allein in München sind von der Neuregelung bis zu 15 000 Taxifahrer betroffen, sagt Christian Hess von der Isarfunk Taxizentrale München.
Weniger Bürokratie, weniger Auflagen – warum wehrt sich das Taxigewerbe gegen die Reform des Fahrdienstmarktes?
Das Eckpunktepapier ist eine einseitige Öffnung des Marktes zugunsten der Plattform-Wirtschaft. Die Existenz des Taxi-Gewerbes wird dadurch bedroht. Das hat nicht nur Nachteile für uns, sondern auch für die ganze Gesellschaft.
Inwiefern?
Das Taxigewerbe ist Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Wir haben Verpflichtungen und können nicht machen, was wir wollen. Im Gegensatz zu Uber & Co. sind wir stark reglementiert. So haben wir beispielsweise eine Beförderungspflicht. Selbst bei ganz kurzen Fahrten, die wir nicht ablehnen dürfen. Wir haben auch eine soziale Funktion und transportieren zum Beispiel Rollifahrer. Isarfunk arbeitet aktiv am Inklusionstaxi. Ein weiterer Punkt ist die Tarifpflicht. In unseren Fahrzeugen ist ein Taxameter eingebaut. Die Preise sind nicht willkürlich. Punkte, die dem Konsumentenschutz dienen.
Ein Argument, das für Ihre Konkurrenz spricht: Die Kunden wissen vorher, was die Fahrt kostet.
Das kann ich verstehen. Aber jeder Fahrer kann vorab eine zuverlässige Schätzung geben. Zudem kann man über die Web-App auch einen ungefähren Preis ermitteln. Der endgültige Preis steht am Taxameter. Würden wir den Kunden vorab einen fixen Preis nennen, würden wir gegen das Gesetz verstoßen.
Warum geht das nicht?
Solche Regelungen können nur in Abstimmung mit der Landeshauptstadt München und dem Kreisverwaltungsreferat erfolgen. Denn dort wird die Taxitarifordnung festgelegt, da Taxis, wie gesagt, als Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs gesehen werden. Wir Taxler sind deshalb auch anders als Uber &. Co. nur sehr eingeschränkt selbstständige Unternehmer.
Der weitverbreitete Trend, per Smartphone einen Fahrdienst zu bestellen, ist nicht aufzuhalten…
Ja, uns ist bewusst, dass auch wir uns bewegen und flexibler werden müssen. Fixe Kosten auf bestimmten Strecken, wie vom Flughafen zur Messe, gibt es schon. Weitere Fixpreise wie vom Flughafen zum Hauptbahnhof könnten folgen. Da hätten wir auch nichts dagegen. Aber die Bestellung per Smartphone ist ja längst auch bei uns möglich. Wir haben mit taxi.eu die meistverbreitete App in Europa. Das ist dasselbe wie bei Uber oder anderen Fahrdienstvermittlern, nur dass Sie im Zweifel noch einen Disponenten in der Zentrale als Helfer haben.
Eine weitere Innovation wäre die Möglichkeit, sich ein Taxi zu teilen. Warum gibt es das nicht?
Wie gesagt, wir verschließen uns Neuerungen nicht. In Berlin und Hamburg kann man sich ein Taxi bereits teilen. In München hat Isarfunk im Jahr 2012 so ein Pilotprojekt am Flughafen bereits durchgeführt. Damals war das Interesse, sich ein Taxi zu teilen, jedoch so gut wie nicht vorhanden. Diese Rückmeldungen bekommen wir jetzt auch aus Hamburg oder Berlin.
Es geht Ihnen also ums Grundsätzliche?
Man muss aufpassen, dass bei dieser Reform nicht nur die Interessen der Plattformen wie Uber & Co. bedient werden. Das wäre eine Horrorvorstellung, die eigentlich jeden erschaudern lassen muss, nicht nur auf dem Fahrdienst-Markt. Gleiches gilt auch für den angespannten Wohnungsmarkt und Airbnb. Sonst ist bezahlbare Mobilität, zu jeder Zeit, selbst zu Spitzenzeiten wie Silvester und Mega-Messen nicht mehr gewährleistet. Wir Taxler müssen an 365 Tagen 24 Stunden verfügbar sein. Rosinenpicken gibt es bei uns nicht.
Interview: Stephanie Ebner