Daimler und BMW: Die Autopiloten-Allianz

von Redaktion

BMW und Daimler wollen nach ihrem Carsharing- und Fahrdienst-Verbund auch beim autonomen Fahren zusammengehen. In sechs Jahren könnten entsprechende Autos beider Marken in Serie gehen.

VON MARTIN PREM

München/Stuttgart – Das Lenkrad hat sich zurückgezogen. Der Fahrersitz ist nach hinten geklappt. Der Fahrer hält ein Nickerchen, während das Fahrzeug mit Tempo 130 über die Autobahn rollt. Noch ist das Zukunftsmusik. Doch so bald wie möglich wollen die deutschen Premiumhersteller Daimler und BMW genau diese Möglichkeit ihren Kunden anbieten.

Dazu haben sich beide Hersteller zusammengetan und eine Vorvereinbarung, ein „Memory of Understanding“, unterzeichnet. „In einem ersten Schritt soll die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen sowie dem automatisierten Fahren auf den Autobahnen und für automatisierte Parkfunktionen in der nächsten Technologie-Generation vorangetrieben werden“, erklärten BMW und Daimler gestern.

Übersetzt heißt das: Sie planen, Autos in Serie zu bringen, die in bestimmten Situationen selbstständig fahren. Doch wie weit das reicht, ist noch nicht klar. Die Rede ist von Level 3 und Level 4. In beiden Fällen kann der Fahrer sich vom Verkehr abwenden. Allerdings muss er bei Level 3 kurzfristig – das heißt, innerhalb einiger Sekunden – übernehmen. Bei Level 4 ist auf der Autobahn ein Nickerchen möglich.

Die Entwicklung zum autonomen Fahren zieht sich unterdessen länger hin, als vor einigen Jahren noch erwartet wurde. Zwar sind erste Serienautos auf den Straßen, die Level 2 beherrschen. Da muss der Fahrer alles überwachen und jederzeit übernehmen können. Audi reklamiert für den Audi A8 sogar Level- 3-Funktionen. Doch vieles davon ist aus rechtlichen Gründen nicht freigegeben. Schon ein kurzer Blick auf die E-Mails im Handy ist tabu.

BMW und Mercedes arbeiten bereits auf unterschiedlichen Ebenen zusammen. Neben der gerade verkündeten gemeinsamen Dienstleistungstochter unter anderem für Carsharing gibt es seit 2008 eine Einkaufskooperation für nicht strategische Teile. Auch beim Kartendienst Here sind BMW und Daimler an Bord. Daneben aber auch Audi und zahlreiche Zulieferfirmen. Auch Here liefert Daten, die beim künftigen autonomen Fahren unerlässlich sind. Insgesamt gehen die beiden Erzrivalen beim autonomen Fahren unterschiedliche Wege: BMW entwickelt unter anderem gemeinsam mit Intel, Mobileye und Continental. Mercedes hat sich mit Bosch zusammengetan. Beides soll fortgesetzt werden. Der als Konzeptstudie bereits vorgestellte BMW iNext soll die Technik aus dieser Kooperation 2021 auf die Straße bringen. Mercedes bringt zur gleichen Zeit die nächste S-Klasse.

Die Zusammenarbeit reicht in die weitere Zukunft. In der gemeinsamen Erklärung ist von der Mitte des nächsten Jahrzehnts die Rede. Das wird also die Fahrzeuggeneration sein, für die beide Hersteller die oben zu sehenden Entwürfe vorgestellt haben.

„Durch die Zusammenführung“, sagt BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich, „beschleunigen wir die Verbreitung dieser Technologie“. Sein Daimler-Kollege Ola Källenius erwartet ein zuverlässiges Gesamtsystem, „das unseren Kunden einen spürbaren Nutzen bringt“.

Was derzeit keiner sagt, was aber im Hintergrund schwingt, ist die Kostenfrage. Da geht es nicht nur um Milliarden für die Entwicklung. In Versuchsträgern für Level 4 ist Sensorik und Rechenkapazität verbaut, die in manchen Fällen allein so viel kostet wie ein Auto der oberen Mittelklasse oder auch des beginnenden Oberklassen-Segments. Doch die teuren Kameras und Sensoren sind keine luxuriösen Einzelanfertigungen, sondern meist Serienprodukte. Um diese Kosten in Richtung Marktfähigkeit zu drücken, müssten sie viel billiger werden. Um die Preise fürs autonome Fahren auf ein für die Käufer akzeptables Niveau zu bringen, müssen alle Register gezogen werden. Mehr als wenige tausend Euro werden aber selbst solvente Kunden dafür kaum ausgeben wollen.

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