Frankfurt – Die Spekulationen kochen seit Längerem hoch. Doch nun verdichten sich Hinweise, dass die Deutsche Bank und die Commerzbank fusionieren wollen. Der Vorstand des größten deutschen Geldhauses habe nach Informationen der „Welt am Sonntag“ beschlossen, Gespräche mit dem Konkurrenten aufzunehmen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise. Es habe bereits „inoffizielle Kontakte in sehr kleiner Runde gegeben“, die allerdings noch nicht in einem Stadium seien, in dem sie mitteilungspflichtig seien. Sprecher beider Geldhäuser wollten den Berichtnicht kommentieren.
Seit Sommer werben Finanzstaatssekretär Jörg Kukies, Ex-Deutschlandchef von Goldman Sachs, und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) für stärkere deutsche Banken. Und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will in allen wichtigen Wirtschaftsbereichen „große und starke Akteure, die mit Wettbewerbern aus den USA oder China auf Augenhöhe sind“.
Der „Welt am Sonntag“ zufolge sollen Scholz und Kukies die Bankchefs Christian Sewing (Deutsche Bank) und Martin Zielke (Commerzbank) gedrängt haben, ein Zusammengehen zu prüfen.
Risiken und Nutzen einer Fusion sind unter Experten umstritten. Auf dem umkämpften – und traditionell kleingliedrigen – Heimatmarkt stünden ihnen weiterhin die öffentlich-rechtlichen Sparkassen und die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken als bedeutende Spieler gegenüber.
Auf dem internationalen Spielfeld könnte eine neue Großbank dagegen Boden gut machen, wenngleich vor allem die ertragsstarken US-Institute in einer anderen Liga spielen.
Als gewichtiges Gegenargument gilt: Beide Häuser sind auch mehr als zehn Jahre nach der Finanzkrise immer noch mit eigenen Baustellen beschäftigt.
Der Bund ist mit gut 15 Prozent größter Aktionär der Commerzbank – seit mehr als zehn Jahren: Die Übernahme der kriselnden Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise hatte die Commerzbank zum Rettungsfall gemacht. Der Staat bewahrte sie mit Steuermilliarden vor dem Kollaps. Es war die erste direkte Beteiligung des Bundes an einer großen Privatbank. THOMAS KAUFNER