München – Inzwischen spricht alles dafür, dass wir mit dem Niedrigzinsumfeld noch länger werden leben müssen. So zumindest interpretieren die Marktbeobachter die jüngsten Äußerungen der Europäischen Zentralbank. Für Sparer und Anleger bedeutet das, dass sie mit Zinsanlagen weiterhin kaum nennenswerte Erträge erzielen.
Noch schlimmer: Abzüglich der erwarteten Inflationsrate in Höhe von 1,7 Prozent in diesem Jahr ergibt sich laut Berechnung der Investmentboutique Mainfirst für deutsche Sparer auf Basis ihrer durchschnittlichen Geldanlage, die zu rund 40 Prozent aus Bankeinlagen besteht, ein Realzins von minus 0,1 Prozent.
Das angelegte Kapital verliert somit jedes Jahr an Kaufkraft. „In diesem Umfeld bieten Dividendenaktien attraktivere Auszahlungen, wodurch sie sich auch für die Altersvorsorge eignen können“, macht Tom Herrmann von der FiNUM Private Finance AG in München klar.
3,6 Prozent Dividende im Dax
Das gilt umso mehr, weil viele Unternehmen trotz des zuletzt eingetrübten Konjunkturumfeldes gut verdient haben und so in der Lage sind, ihre Ausschüttungen zu erhöhen. Auch in diesem Jahr ist deshalb wieder ein neuer Dividendenrekord zu erwarten. Laut der Deka werden die deutschen Unternehmen insgesamt 52,4 Milliarden Euro bei der diesjährigen Hauptversammlungssaison an ihre Aktionäre auszahlen – so viel wie nie zuvor.
Da sich viele Aktienindizes zudem zuletzt eher schlecht entwickelt haben, sehen auch die Dividendenrenditen, also die Ausschüttungen bezogen auf den aktuellen Kurs, aktuell sehr attraktiv aus. Laut der DZ Bank beträgt die Dividendenrendite beim deutschen Leitindex Dax derzeit rund 3,6 Prozent. Sie liegt damit etwa acht Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.
Nicht weniger attraktiv ist der EuroStoxx 50, wo die Dividendenrendite sogar bei 4,1 Prozent im Schnitt liegt. Beim US-Leitindex S&P 500 sind es zumindest noch etwa zwei Prozent.
Natürlich kann ein starker Kursverlust auch die attraktivste Dividende schnell aufzehren. „Tatsächlich werden im Falle einer tiefgehenden und länger andauernden Rezession wohl alle Branchen in Mitleidenschaft gezogen“, sagt Burkhard Wagner von der Partners VermögensManagement AG in München. „Allerdings beweisen gerade so genannte Dividenden-Aristokraten, dass auf lange Sicht vor allem Kontinuität bei den Dividendenzahlungen mit das wichtigste Kriterium für Langfristanleger darstellt.“
Mit anderen Worten: Aktien von Unternehmen, die über viele Jahre hinweg kontinuierlich stabile oder sogar steigende Ausschüttungen vorgenommen haben, können sich gerade in schwierigen Marktphasen als solider erweisen. „Außerdem dürfen Sie nicht vergessen, dass Sie neben der Ausschüttung auch die Chance auf Kurssteigerungen haben“, erläutert Wagner weiter.
Kurs wächst oft mit den Ausschüttungen
Wie viel dabei langfristig zusammenkommen kann, verdeutlicht das Beispiel des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns Nestlé. Seit dem Jahr 2000 hat sich nämlich nicht nur die Dividende mehr als verfünffacht, sondern auch der Aktienkurs ist um den gleichen Faktor gestiegen.
Ein sehr solider Dividendenzahler der vergangenen Jahre aus dem Dax war zum Beispiel der Versicherungsriese Allianz. Laut der DZ Bank hat der Konzern in den vergangenen zehn Jahren seine Dividende stets mindestens stabil gehalten und dabei acht Mal erhöht. Und auch in diesem Jahr steht wieder eine Erhöhung an, wobei die Dividendenrendite aktuell bei fast fünf Prozent liegt.
Ebenfalls als stabile Ausschütter haben sich in den vergangenen Jahren der Chemiekonzern BASF, Siemens, die Münchener Rück oder Bayer erwiesen. Allerdings bringt ein Investment in Einzeltitel auch Risiken mit sich. So können Ausschüttungen gekürzt werden oder ganz ausfallen, wenn die Geschäfte schlecht laufen. Auch zahlen manche Unternehmen zwar hohe Dividenden, nehmen diese aber aus der Substanz.
Für Anleger, die nicht laufend ihre Portfoliounternehmen überprüfen möchten, können deshalb passiv gemanagte Exchange Traded Funds oder aktiv gemanagte Dividendenfonds eine Alternative sein. Diese entwickelten sich zuletzt beachtlich: So legte der ETF auf den SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats in den vergangenen fünf Jahren 6,22 Prozent zu.
Zuwachs trotz sinkender Kurse?
Und auf Sicht von einem Jahr, in dem der Dax mit rund sechs Prozent im Minus liegt, weist der ETF, der nicht allein die Höhe der Dividende, sondern auch die Nachhaltigkeit der Ausschüttung und das Kurspotenzial berücksichtigt, rund zwei Prozent zu.
Eines aber sollten Anleger bedenken, wie Experte Herrmann verdeutlicht: „Solche ETF-Lösungen überzeugen zwar häufig durch geringere Kosten, aber im Falle eines plötzlichen Umschwungs an den Märkten fehlt ihnen meist die Flexibilität im Vergleich zu aktiven Fonds.“ Tatsächlich kann ein aktiver Fondsmanager – zumindest theoretisch – teilweise Risiken aus dem Portfolio nehmen.
Einigen scheint das auch zuletzt gut gelungen zu sein. So legte zum Beispiel der global investierende UBS Global High Dividend in den vergangenen zwölf Monaten fast 15 Prozent zu. Während solche weltweit investierenden Dividendenfonds in den vergangenen Jahren jedoch vor allem vom starken US-Markt profitierten, lief es zuletzt für auf Europa ausgerichtete Fonds nicht so gut (vgl. Tabelle). Angesichts der attraktiveren Dividendenrenditen könnten diese jetzt aber durchaus eine Alternative sein.