München – Die Immobilienpreise in Bayern sind 2018 „nur“ noch um 6 Prozent gestiegen. Damit hat sich der Preisanstieg gegenüber 2016 (12 Prozent) und 2017 (9 Prozent) verringert. Diese Tendenz gilt ausdrücklich auch für die Höchstpreis-Gebiete von Oberbayern. „Für viele ist die Grenze bei der Finanzierbarkeit einfach erreicht. Deshalb gehen wir davon aus, dass sich der Preisanstieg weiter verlangsamt“, sagte Paul Fraunholz, Geschäftsführer der Sparkassen-Immobilien-Vermittlungs-GmbH.
Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht, denn die Preise haben inzwischen astronomische Höhen erreicht. Wer am Tegernsee, in Garmisch-Partenkirchen oder in stadtnahen Gebieten des Landkreises Ebersberg ein gebrauchtes Einfamilienhaus in mittlerer oder bevorzugter Lage kaufen will, muss im Schnitt mehr als eine Million Euro investieren. In den Landkreisen München und Starnberg sind die Preise noch einmal 20 Prozent höher.
Es geht in Oberbayern aber auch deutlich billiger: In Altötting oder Mühldorf am Inn kann man schon für unter 500 000 Euro ein vergleichbares Objekt erwerben. Allerdings zieht dort auch die Nachfrage extrem an: Im Raum Altötting steigen die Immobilienumsätze 2018 gegenüber dem Vorjahr um rekordverdächtige 42,7 Prozent. Im Stadtgebiet München waren es dagegen nur 5,9 Prozent. Trotzdem wird allein in der Landeshauptstadt über ein Viertel des gesamten bayerischen Marktvolumens abgewickelt.
Ein Ende der riesigen Nachfrage ist nicht in Sicht. Die Sparkassen registrierten im vergangenen Jahr noch einmal eine Steigerung der Interessentenzahl um zehn Prozent. München und sein Umfeld stehen dabei besonders im Fokus. „Die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Bayern mit den hervorragenden Aussichten auf dem Arbeitsmarkt haben eine Sogwirkung auf viele Menschen. Und diese vielen Interessenten treffen in vielen Regionen auf ein erheblich zu knappes Angebot“, sagte Fraunholz. Der Trend zu Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten befeure die Nachfrage zusätzlich.
Die Zahl der Baugenehmigungen ist trotzdem zuletzt wieder gesunken – auch weil sich Städte und Gemeinden bei der Ausweisung von neuem Bauland zurückhalten oder Genehmigungsverfahren zu lange dauern.
Keine gute Nachricht für viele Familien, die sich bei den gigantischen Preisen kein Eigenheim leisten können. Schon die Eigenkapitalhürde für einen Kredit ist für die meisten nicht zu überspringen, weil sie sich in den vergangenen zehn Jahren in Bayern von durchschnittlich 52 000 Euro auf aktuell 94 000 Euro erhöht hat. Rund um München ist es oft noch deutlich mehr.
Deshalb sei laut Erwin Bumberger, Chef der Bayerischen Landesbausparkasse, unbedingt nötig, frühzeitig mit dem Sparen fürs Eigenheim zu beginnen. Ein gutes Instrument dafür sei ein Wohnriester-Vertrag, der mehrere Zehntausend Euro an Zuschüssen, Steuervorteilen und Zinsersparnis einbringen könne. Zudem forderte er, dass „die Bundesregierung ihr im Koalitionsvertrag festgehaltenes Vorhaben einer Anpassung der seit 20 Jahren unveränderten Wohnungsbauprämie umsetzt“.
Im Gespräch ist eine Erhöhung der Förderung auf Sparbeträge bis zu 700 Euro (bisher 512). Zudem könnte die Einkommensgrenze für einen Single auf 36 000 Euro (bisher 25 600) angehoben werden.
Doch das ist Zukunftsmusik, genau wie die im Koalitionsvertrag der neuen bayerischen Staatsregierung vorgesehene Schaffung von Freibeträgen für Familien bei der Grunderwerbssteuer. Wer sich jetzt seinen Traum vom Eigenheim erfüllen will, sollte sich genau über die Fördermöglichkeiten informieren. Über das neue Baukindergeld des Bundes sowie das Baukindergeld Plus und die Eigenheimzulage des Freistaates kann eine Familie bis zu 40 000 Euro einstreichen.