Frankfurt – Die reale Rendite, hat die Deutsche Bundesbank festgestellt, ist so niedrig wie seit 1991 nicht mehr. Der Grund dafür liegt vor allem in der Inflation. Tatsächlich lag die Teuerungsrate in den Jahren 2015 und 2016 bei gerade mal 0,3 und 0,5 Prozent. Doch seitdem zog sie deutlich an. Im Jahr 2017 betrug sie 1,8 Prozent, derzeit sind es wieder 1,3 Prozent. Die Verzinsung oder die Rendite, die Anleger bekommen, ist nur der nominale Ertrag. Davon muss man den Kaufkraftverlust, die Inflation, abziehen. Das hat Einfluss auf ein Investment.
Sparer erleiden realen Wertverlust
Angenommen ein Sparer legt 10 000 Euro zu einem Zinssatz von 0,5 Prozent über zehn Jahre an, dann hat er danach nominell einen Betrag von 10 511,40 Euro. Doch wenn die zwei Prozent Geldentwertung berücksichtigt sind – jenem Wert, den die Europäische Zentralbank anstrebt –, beträgt der reale Wert der Anlagesumme am Ende nur noch 8623 Euro.
So kann sich der Sparer mit dem angelegten Geld nur noch Waren und Dienstleistungen kaufen, die 8623 Euro entsprechen. Wer sein Geld niedrig verzinst parkt – so sind laut Bundesbank immerhin fast 40 Prozent des angesparten Vermögens angelegt – der hat einen erheblichen realen Wertverlust.
Auch wenn die Zinsentwicklung wohl ihren Tiefpunkt hinter sich hat, werfen solche Anlagen kaum nennenswerte Erträge ab. Die Europäische Zentralbank kassiert von den Banken weiter Negativzinsen. Das engt den Spielraum ein.
Das Sparbuch bringt laut der FMH Finanzberatung gerade mal 0,02 Prozent pro Jahr im Schnitt. „Bis auf die Beträge, die Anleger auf absehbare Zeit benötigen, sollten sie Festgelder, Sparbücher oder Cash-Konten als Anlage auf längere Zeit vergessen“, rät Burkhardt Wagner, Vorstand der Partners Vermögens Management AG. Eine gewisse Entlastung wäre möglich, wenn Banken bei den derzeit fälligen Negativzinsen entlastet würden. Etwa durch Freibeträge, wie sie gestern Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbands Deutscher Banken forderte.
Immobilien: Eine Korrektur ist möglich
Wie aber können es Anleger, die für ihre Altersvorsorge etwas zurücklegen wollen, besser machen? Es gibt derzeit nicht viele Alternativen. So ist beispielsweise ein Engagement am Immobilienmarkt umstritten. „Nach unserer Einschätzung“, sagt Helge Müller, Chief Investment Officer von Genève Invest, „ist der Markt heiß gelaufen.“ Objekte guter Qualität bringen nach Abzug aller Kosten unattraktive, zum Teil auch negative Renditen. Und es könnte gerade in Deutschland zu einer deutlichen Korrektur kommen.
Aktien bleiben langfristig attraktiv
Eine der wenigen Anlageklassen, bei der sich alle Experten einig sind, sind – trotz der jüngsten Turbulenzen am Markt – Aktien. „Sie müssen zum Beispiel bedenken, dass acht der 30 Dax-Werte aktuell eine Dividendenrendite von 4,5 Prozent oder mehr bieten“, erläutert Michael Thaler, Vorstand der TOP Vermögen AG. Tatsächlich wird es ohne Aktien im Portfolio derzeit kaum gehen, wenn man einen realen Wertverlust vermeiden will. In der langfristigen Betrachtung bringt diese Anlageklasse, trotz zwischenzeitlicher Kursturbulenzen, im Schnitt fünf bis sieben Prozent pro Jahr. „Aus heutiger Sicht gehen wir auch in den kommenden Jahren von durchschnittlichen Renditen in dieser Größenordnung aus“, sagt Wagner.
Dennoch kann nicht jeder Sparer mit zwischenzeitlichen, unter Umständen auch heftigeren Kursverlusten umgehen. Eine weitere Möglichkeit, noch eine über der Inflation liegende Rendite zu erwirtschaften, sehen die Experten auch bei Unternehmensanleihen. „Aufgrund der jüngsten Unsicherheit gibt es hier tatsächlich Werte, die eine gute Bonität aufweisen und trotzdem Renditen oberhalb der Inflationsrate bieten“, erläutert Thaler.
Experte Müller sieht das vor allem bei Unternehmensanleihen von mittelständischen Firmen gegeben. „Dort lassen sich, wenn man sich sehr gründlich mit den einzelnen Titeln beschäftigt, schon Emittenten hoher Qualität finden, deren Papiere eine Verzinsung von fünf bis sieben Prozent abwerfen“, erläutert er.
Breite Streuung mindert das Risiko
Wichtig sei dabei eine sehr breite Streuung. „Um das Ausfallrisiko zu reduzieren, sollten Anleger auf 30 verschiedene Titel oder mehr setzen.“ Die Auswahl muss man nicht selbst vornehmen. Grundsätzlich erscheinen deshalb im Aktien- wie auch im Anleihebereich breit gestreute Anlageprodukte eine Lösung zu sein. „Wer es komfortabel, einfach und zudem noch kostengünstig haben möchte, sollte zu Exchange Traded Funds, die bestimmte Märkte abdecken, greifen“, erläutert Frank Wieser, Geschäftsführer der PMP Vermögensmanagement.
Egal welchen Weg ein Anleger wählt, wichtig ist, dass die Rendite zumindest in Höhe der Inflation oder darüber liegt. Denn nur so vermeiden Anleger, am Ende real Geld zu verlieren.