„Engagement sollte extra belohnt werden“

von Redaktion

München/Berlin – Was für eine traurige Bilanz: Fast jeder zweite Rentner (46 Prozent) in Deutschland vermisst eine Anerkennung seiner Lebensleistung. 56 Prozent halten ihre Rente schlichtweg für unfair. Noch schlimmer sieht es aus, wenn es um die soziale Stellung geht: Nur ein Drittel der Senioren fühlt sich von der Gesellschaft ausreichend respektiert. Das ergab eine Insa-Umfrage für die „Bild“-Zeitung.

SPD-Rentner Franz Münterfering (79), der Mann, der einst die Rente mit 67 auf den Weg brachte, fordert nun mehr Anerkennung für alle, die sich auch im Ruhestand engagieren.

Wie es künftig mit der Rente weitergeht, ist derzeit Gegenstand von Beratungen einer Rentenkommission der Regierung, die im März 2020 ihren Bericht vorlegen will. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will auf dieser Basis noch in der laufenden Wahlperiode erste Schritte zur dauerhaften Sicherung der Rente einleiten. Angesichts des demografischen Drucks auf die Rente wird derzeit auch immer wieder debattiert, das Rentenalter an die im Schnitt längere Lebensdauer zu koppeln. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte dazu: „Wenn wir länger leben, werden wir auch länger arbeiten müssen“. Müntefering würde dagegen „an der Rente mit 67 im Moment nichts mehr verändern.“ Er habe für die Einführung dieser Regelung viel Kritik bekommen, so Müntefering. „Aber es war aus meiner Sicht ein richtiger und mutiger Schritt.“ Denn man müsse „die lange Strecke sehen“ und bei der Rente unterschiedliche Interessen der Generationen berücksichtigen. Persönlich hält Müntefering aber das Renteneintrittsalter für eine „Fiktion“ jenseits der realen Lebensumstände von Millionen Menschen.

Heute habe sich die Annahme breitgemacht, dass es einen bestimmten Tag gibt, an dem man ausscheiden müsse. „Aber die Leistungsfähigkeit der Menschen ist unterschiedlich, die Belastungen durch die Arbeitsbedingungen sind es auch.“ Realistisch sei hingegen „eine Renteneintrittsphase, die dies gerecht berücksichtigt“.

Tatsächlich gehen die Bundesbürger immer später in Rente. Waren 2017 rund 58 Prozent der 60- bis 64-Jährigen noch erwerbstätig – waren im Jahr 2000 nur rund 20 Prozent. Müntefering betonte, dass die meisten auch in der Rente noch etwas machen oder leisten wollten. Viele engagierten sich zum Beispiel in der Pflege. Das sollte anerkannt werden. „Gut wäre es, wenn man etwas auf die Rente obendrauf bekäme.“  wdp

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