G+D: Weniger Beschäftigte weltweit – aber mehr in Deutschland

von Redaktion

Münchner Sicherheitskonzern setzt zunehmend auf digitale Geschäftsmodelle wie die virtuelle eSIM fürs Handy

München – Am Anfang war der Druck von Papiergeld. Inzwischen ist das Münchner Familienunternehmen Giesecke + Devrient (G+D) auf dem Weg zum Software-Hersteller. Bei der eSIM, einer Entwicklung des Konzerns, hat man nichts mehr zum Anfassen – nur noch Daten. Die Karte, die heute für den Betrieb eines Mobiltelefons notwendig ist, gibt es bei der eSIM nicht mehr. Und auch keinen komplizierten Austausch etwa beim neuen Handy. Man fotografiert einen QR-Code und die Daten werden auf einen im Handy eingebauten Chip überspielt.

Trotz der Bandbreite der G+D-Aktivitäten vom Gelddrucken bis hin zu Anwendungen in der virtuellen Welt, gibt es bei G+D einen roten Faden, der sich von der guten alten Banknote bis zur eSIM zieht: Es ist das beständige Ringen um Sicherheit. Das ist bei Banknoten so, wo mit immer neuen Sicherheitsmerkmalen auch für versierte Fälscher das Kopieren schwer gemacht wird. Das ist auch in der Welt der Daten ganz ähnlich, wo ebenfalls der Aufwand – etwa durch Einsatz künstlicher Intelligenz – wächst, Hacker aus sicherheitsrelevanten Bereichen herauszuhalten.

In beiden Fällen, beim Bargeld wie der IT-Sicherheit, geht es darum, den Vorsprung zu erhalten, der Eindringlinge wirklich fernhalten kann. Der Bedarf an solchen Lösungen wächst weltweit. G+D konnte im Jahr 2018 den Auftragsbestand um die Hälfte steigern – auf 1,7 Milliarden Euro. Da sind einige große Brocken dazugekommen. Unter anderem der Auftrag für die gesamte Bargeld-Logistik in Ägypten. Das reicht vom Druck bis hin zur Zirkulation des Geldes. Außerdem kam im Herbst eine Nachricht, die den Durchbruch für die eSIM einleitete: Apple verkündete, die Technologie aus München in seinen drei neuesten iPhones einzusetzen. Damit – so schloss G+D-Chef Ralf Wintergerst – kommen auch andere Hersteller nicht mehr an der eSIM vorbei. Die Entwicklung ist auf dem Weg, auch wirtschaftlich ein Erfolg zu werden.

Das klappt nicht immer. Wenn eine Entwicklung bereits aktiviert, also als werthaltig in die Bilanz eingeflossen ist, muss sie später wertberichtigt werden, was den Gewinn schmälert. Das passierte G+D im Jahr 2018 bei der Neuausrichtung eines Tochterunternehmens zur Banknotenerkennung: Die Belastung in Höhe von 17 Millionen Euro trug maßgeblich dazu bei, dass das G+D-Ergebnis schrumpfte. Vor Steuern und Zinsen betrug es 120 Millionen Euro (nach 130 Millionen im Jahr 2017). Dagegen legte der Umsatz um fünf Prozent zu – auf 2,25 Milliarden Euro.

Im laufenden Jahr will Wintergerst die Ausrichtung hin zu digitalen und technologiegetriebenen Geschäftsmodellen forcieren. „Schon heute beschäftigen wir in allen Unternehmensbereichen so viele Experten für IT-Sicherheit, Biometrie, Software und Kryptografie wie noch nie“, sagt er.

Der Wandel hat auch Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahl. G+D hat 2018 weltweit Personal abgebaut: 211 Stellen auf 11 600 Mitarbeiter zum Jahresende. In Deutschland nahm die Beschäftigtenzahl zu – um 124 auf 4111. MARTIN PREM

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