München – Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, hat sich die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) im vergangenen Herbst mit der Arbeitsagentur und der Bayerischen Staatsregierung zu einer sogenannten Taskforce zusammengetan – mit dem Ziel, Fachkräfte zu sichern. Denn bis zum Jahr 2025 fehlen allein in Bayern 350 000 Fachkräfte. Deutschlandweit sind es sogar 2,9 Millionen, wie vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt ausführte.
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sagte gestern bei der Strategie-Vorstellung: „Nur so bleiben wir konkurrenzfähig.“ Gelinge es nicht, den Fachkräftebedarf zu decken, würden Produktions- und Wachstumspotenziale nicht ausgeschöpft. Die Folge: „Investitionen am Standort Bayern unterbleiben.“
Während sich bei den Akademikern nahezu flächendeckend ein Arbeitskräfteüberschuss abzeichnet, fehlen Menschen mit einer beruflichen Qualifikation. Besonders stark wird sich in Zukunft der Mangel an Personal bei Berufen der technischen Entwicklung, Konstruktion, im Bereich der Informatik und im Gesundheitswesen auswirken.
Der größer werdende Fachkräfteengpass resultiert zum einen aus dem demografischen Wandel der Gesellschaft, Stichwort Überalterung. Zum anderen aus dem technologischen Wandel, sagte Ralf Holtzwart von der Bundesagentur für Bayern.
Die Taskforce unterstützt die Betriebe zielgerichtet. Bertram Bossardt: „Wir sehen schon jetzt eine hohe Nachfrage nach dem neuen Beratungsangebot.“
So konnten in den ersten Monaten mehr als 200 Unternehmen Kontakt mit den zehn Ansprechpartnern in allen sieben Regierungsbezirken in Bayern Kontakt aufnehmen. Die Taskforce berät die Unternehmen unter anderem bei der Bedarfsanalyse und sorgt zur Fachkräftesicherung für eine bessere Vernetzung mit Arbeitsagenturen.
Zur Behebung des Fachkräftemangels sieht die vbw mehrere Handlungsfelder: Unter anderem eine breite Bildungsoffensive. So will man junge Menschen talentorientiert für die Nachfrage von morgen am Arbeitsmarkt ausbilden. Auch die Beschäftigungschancen von Arbeitslosen sollen durch gezielte Förderung verbessert werden. Insbesondere Frauen, die bislang nur Teilzeit gearbeitet haben, sollen die Möglichkeit haben, in Vollzeit zu arbeiten.
Ganz ohne gezielte Zuwanderung wird es aber nicht gehen, ist Aiwanger überzeugt: „Ohne Zuwanderer kann die Wirtschaft nicht so boomen.“ Der Wirtschaftsminister setzt sich für mehr Freizügigkeit für Nicht-EU-Ausländer ein. Er wünscht sich dabei mehr Handlungsspielraum, um beispielsweise arbeitswillige Afghanen, die von der Abschiebung bedroht, sind, in Bayern halten zu können.
Schon jetzt kommen etwa 15 Prozent aller in Bayern Beschäftigten aus dem Ausland. Holtzwart: Im Unterschied zu den 1960er und 1970er Jahren sollen jetzt gezielt Fachkräfte angeworben werden.