Stockender Fusionspoker

von Redaktion

Wachsender Widerstand gegen Zusammenschluss von Commerzbank und Deutscher Bank

Frankfurt – Bis Ostern sollte Klarheit darüber herrschen, ob es zu einem Zusammenschluss von Commerzbank und Deutscher Bank kommt. Davon ist aber nichts zu sehen. Fest steht bislang nur: Die große Mehrheit der Beschäftigten von Deutscher und Commerzbank lehnt den Zusammenschluss ab.

Bei der Commerzbank war das schnell erkennbar. Dort fordert der Betriebsrat Vorstandschef Martin Zielke auf, das Vorhaben abzublasen. Dass es bei der Deutschen Bank ähnlich aussehen würde, ist eine kleine Überraschung. Bei einer Umfrage des Betriebsrats unter 28 000 Beschäftigten Anfang April sprachen sich knapp 69 Prozent der gut 7800, die ein Votum abgaben, gegen eine Übernahme der Commerzbank aus. Hintergrund der deutlichen Absage ist vor allem der drohende Abbau von 30 000 oder noch mehr der insgesamt rund 140 000 Stellen in beiden Häusern, sollten sie zusammengehen.

Während Commerzbank-Chef Zielke auf den Zusammenschluss drängt („Die Alternative, nichts zu tun, gibt es nicht“), bremst sein Gegenüber Christian Sewing nach dem Motto: Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Schließlich ist die Angelegenheit komplex. Auf den Tagesordnungen der beiden Hauptversammlungen der Banken im Mai finden sich die Themen Fusion und Übernahme mit keinem Wort.

Neben Zielke gibt es nur drei weitere Befürworter eines Zusammenschlusses, der – wenn überhaupt – eine Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche werden dürfte: Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner, Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und Finanzstaatssekretär Jörg Kukies (SPD), auch wenn letztere darauf verweisen, es sei allein Sache der Banken und ihrer Aktionäre. Dazu gehört freilich auch der Bund: Er ist mit knapp 16 Prozent größter Aktionär der Commerzbank.

Kritische Stimmen gibt es dagegen zuhauf – selbst unter Großaktionären der Deutschen Bank, wie dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock oder Vertretern des Scheichtums Katar. „Welches Problem soll hier gelöst werden?“, fragt Blackrock-Topmanager Philipp Hildebrand. Nach dem Motto: Aus zwei abgeschlagenen Banken wird nicht automatisch ein Spitzeninstitut.

Frankfurter Bankenexperten sind ebenfalls skeptisch. Die Deutsche Bank erziele bei hohen Kosten nur niedrige Erträge. Das Problem werde durch die Übernahme der Commerzbank nicht gelöst. In einer Simulation für eine Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank rechnet Banken-Professor Volker Brühl mit dem Wegfall von rund 25 000 Arbeitsplätzen und Integrationskosten von 2,5 Milliarden Euro. Die Einspareffekte taxiert er aber auf gerade einmal rund 2,2 Milliarden Euro. ROLF OBERTREIS

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