München – Vor 50 Jahren, so Peteranderl, hätte es noch viele Handwerksbetriebe in der Stadt gegeben. Doch nach und nach habe man sie dann verdrängt, dazu gezwungen, sich außerhalb anzusiedeln. So weit so gut, aber jetzt komme es noch dazu, so Peteranderl, dass man sie nicht einmal mehr hereinlässt.
„Was die Verkehrsplanung betrifft, sehe ich die Entwicklung in München mit großer Sorge“, so Peteranderl am Mittwoch auf einer Pressekonferenz der Handwerkskammer in München. Maßnahmen, wie „die Schaffung eines Boulevards Sonnenstraße“ sowie weitere Fahrbahnverengungen ließen „den Verdacht aufkommen, dass vor allem Handwerksbetriebe aus dem Münchner Umland und die im Handwerk Beschäftigten die Zeche für die Verkehrswende bezahlen sollen“.
Es scheine so, als sollten Menschen und Gewerbetreibende von außerhalb durch bewusst herbeigeführte Verkehrsbehinderungen aus München ferngehalten werden, „als wolle sich die Landeshauptstadt das schützenswerte Münchner Lebensgefühl ausschließlich auf kosten des Umlands erhalten“. Konkret kritisiert Peteranderl unter anderem die geplante Verschmälerung der Fahrbahn auf der Leopold-/Ludwigstraße, die als Zufahrt von und zur Nürnberger Autobahn von großer Bedeutung sei, den geplanten Boulevard rund um das Siegestor, die Verengung der Lindwurmstraße (Zufahrt zur Lindauer- und Garmischer Autobahn) und die geplante Halbierung der Fahrspuren auf der Ludwigsbrücke. Peteranderl: „Das ist ein Griff in die planerische Mottenkiste: So macht man den Flaschenhals noch enger.“
Sein Lösungsvorschlag: Weg mit den Anwohner-Parkplätzen. Daraus sollten Parkflächen für Handwerker, aber auch für soziale Dienste, Car–sharing-Fahrzeuge oder neue Radwege entstehen. Innenstadtbewohner, so Peteranderl, sollten ihre Fahrzeuge in die Parkhäuser und Tiefgaragen stellen, die böten genügend Platz. Peteranderl, selbst Chef einer Baufirma mit Sitz in Garching, verweist darauf, dass die Verkehrssituation nicht nur ein Problem für die Handwerker sei, sondern auch für deren Kunden. Denn die langen An- und Abfahrten würden Handwerkerleistungen enorm verteuern. „Ich habe selbst schon erlebt, dass das Kunden nicht mehr zu vermitteln ist“, so Peteranderl. Der Münchner Stadtspitze habe man die Probleme vorgetragen. Allerdings hat der Handwerks-Präsident nicht den Eindruck, dabei auf viel Verständnis gestoßen zu sein. „Wir wollen keinen Krieg mit den Anwohnern“, so Peteranderl, „aber wer in der Münchner Innenstadt wohnt, der braucht doch kein Auto.“ Bei einer Fahrleistung von 3000 bis 5000 Kilometern mache doch ein Privatfahrzeug gar keinen Sinn. Peteranderl: „Aus unserer Sicht kann die Verkehrswende am besten gelingen, wenn der ÖPNV ausgebaut und der individuelle Kfz-Verkehr reduziert wird.“
Trotz des Ärgers um den Verkehr – die aktuelle Lage des Handwerks ist glänzend: Die Auftragsbücher der 202 000 Betriebe in Bayern sind voll – im Schnitt für 10,7 Wochen (Oberbayern: 9,5; München 9,1) und die Zahl der Beschäftigten stieg um 1,3 Prozent auf 941 300. Möglich wäre wohl sogar ein Anstieg von 2,5 Prozent gewesen, aber es fehlen weiterhin geeignete Fachkräfte. Die Kammer will deshalb künftig noch mehr um Frauen werben.