Nach Abstimmungsdebakel: Aufsichtsrat steht hinter Bayer-Chef

von Redaktion

Kontrolleure werben bei enttäuschten Aktionären um Vertrauen

Bonn – Trotz einer herben Abstimmungsniederlage bekommt der Bayer-Chef Werner Baumann Unterstützung vom Aufsichtsrat des Agrarchemie- und Pharmakonzerns. Das Gremium teilte am Samstag mit, man stehe „geschlossen hinter dem Vorstand“. Der Aufsichtsrat werde den Vorstand dabei „unterstützen, das Vertrauen der Aktionäre und weiterer Stakeholder in das Unternehmen und seine Strategie schnellstmöglich und vollständig wieder zurückzugewinnen.“

Zuvor hatte die Hauptversammlung Baumann am Freitagabend wegen hoher Rechtsrisiken durch die Monsanto-Übernahme und wegen des Kursverfalls der Bayer-Aktie einen Denkzettel verpasst: Der Aktionärstreff verweigerte dem Vorstand die Entlastung.

Das war ein äußerst ungewöhnlicher Schritt, denn normalerweise liegt die Zustimmung zur Entlastung bei etwa 97 Prozent, so wie 2018. Dieses Jahr stürzte der Wert auf 44,5 Prozent ab und die Gegner kamen mit 55,5 Prozent sogar auf eine Mehrheit. Das Votum hat zwar keine direkten Folgen, für den Konzernlenker ist es aber ein tiefer Imagekratzer.

Im Anschluss an die 13-stündige Hauptversammlung mit hitzigen Wortmeldungen enttäuschter Aktionäre hatte der Aufsichtsrat eine außerordentliche Sitzung einberufen.

Auch der Versammlungsleiter und Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning hatte bei der Hauptversammlung einen Dämpfer bekommen. Sein Kontrollgremium wurde nur mit 66,4 Prozent des vertretenen Grundkapitals entlastet – nach 98 Prozent im Vorjahr.

Normalerweise gilt eine Entlastung des Vorstands als rein formaler Schritt. Werte unter 50 Prozent sind extrem selten. Die Deutsche-Bank-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain bekamen 2015 bei der Entlastungsfrage nur zu rund 61 Prozent Zustimmung des anwesenden Grundkapitals. Nur wenige Wochen später traten beide zurück. Einen historisch niedrigen Wert erhielt 2018 der ehemalige Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, mit 24 Prozent – allerdings war er bereits zuvor zurückgetreten.

Bei Bayer hatte es im Jahr 2002 wegen des Lipobay-Skandals – im Zuge dessen Bayer den Cholesterinsenker, der im Zusammenhang mit mehreren Todesfällen stand, vom Markt nehmen musste – für den damaligen Vorstand „nur“ etwa 90 Prozent Zustimmung gegeben. Schon dieser Wert galt als extrem schlecht. Das verheerende Abstimmungsergebnis am Freitag zeigt, wie viel Vertrauen der Kauf von Monsanto die Bayer-Führungsriege gekostet hat.  dpa

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