München – „Die Ernährung der Bevölkerung hat sich in den letzten zehn Jahren auch wegen der Entwicklung der Einkommen gravierend verändert“, fasst Renate Köcher vom Allensbach-Institut, das die Studie für Nestlé erstellt hat, die Ergebnisse zusammen.
Erstaunlich trotzdem: Beim Einkauf von Lebensmitteln spielen niedrige Preise in allen Schichten eine geringere Rolle als noch 2008, als Nestlé die erste Ernährungsstudie vorgelegt hat. Gaben dies damals noch 57 Prozent der Befragten als Grund an, waren es jetzt nur noch 45 Prozent. Marc-Aurel Boersch, Deutschland-Chef von Nestlé, ist gleichwohl überzeugt, dass der Preiswettbewerb im Handel nicht nachlässt.
Klar ist aber, dass im unteren Fünftel der Bevölkerung aufgrund des in den letzten zehn Jahren nur um ein Drittel gestiegenen frei verfügbaren Einkommens von im Schnitt 213 Euro pro Kopf und Monat weniger Geld auch für die Ernährung da ist. Bei den oberen 20 Prozent sind es im Schnitt 735 Euro pro Kopf und 45 Prozent mehr als 2008. „Über diese Spaltung sollte sich Deutschland Gedanken machen“, so Boersch. Das zeigt sich auch mit Blick auf die Bedeutung von gutem Essen. Während 72 Prozent der Personen aus der Oberschicht betonen, sie ernährten sich aus Überzeugung gesund, sind es bei den wenig Vermögenden nur 39 Prozent.
Dies führt auch dazu, dass der wachsende Trend zu regionalen Produkten, zu natürlichen Lebensmitteln, zu Nachhaltigkeit und artgerechter Tierhaltung nur von der Ober- und Mittelschicht vorangetrieben wird. Alle Schichten aber vermeiden immer stärker Zucker, Fett und Salz. Dies gilt für zwei Drittel der Bevölkerung. Aber nur 20 Prozent wollen generell auf Fertigprodukte verzichten, elf Prozent setzen auf vegetarische, nur zwei Prozent auf vegane Ernährung. Im Vordergrund stehen für rund 60 Prozent bei der Ernährung die körperliche Fitness und die Gesundheit. Allerdings räumt rund ein Drittel auch ein, zu wenig Obst und Gemüse zu essen und zu selten auf Süßes zu verzichten. Erstaunlich auch: Junge Menschen holen sich Ernährungstipps immer häufiger bei ihren Großeltern als etwa bei Ernährungsberatern und im Internet.
Die Erkenntnisse aus der Studie nutze Nestlé, sagt Vorstandschef Boersch, um die Angebote auf die Ansprüche der Verbraucher anzupassen. Obwohl die Umfrage als Misstrauensvotum gegen Fertigprodukte aufgefasst werden könne, sieht er dort noch erhebliches Wachstumspotenzial. Dafür müsse aber etwa mehr frisches Gemüse verarbeitet werden.
Auch das Problem Plastikmüll sei erkannt, sagt Boersch. Schon jetzt seien 95 Prozent aller Nestlé-Verpackungen recyclingfähig. Riegel etwa sollen künftig nur noch in Papierverpackungen stecken. Nestlé baut in der Schweiz gerade ein eigenes Forschungsinstitut auf, um neue umweltfreundliche Verpackungen zu entwickeln.