Zehn Punkte für preiswerten Wohnraum

von Redaktion

Wie schafft man es, dass sich in München und anderen Hochpreismetropolen auch Normalverdiener Wohnen leisten können? Darüber debattiert die Politik schon lange. Ein Bündnis von Praktikern zeigt nun, wie es klappen kann.

VON MICHAEL BROMMER

München – Das Verbändebündnis Wohnungsbau, zu dem unter anderem der Deutsche Mieterbund (DMB) und der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) gehören, hat anlässlich des Wohnungsbautages 2019 eine Prognos-Studie veröffentlicht, die den Finger in die Wunde legt: Es wird zu wenig gebaut, zu teuer, zu klein. Und oft am falschen Ort.

Bundesweit entstehen im Sozialen Wohnungsbau aktuell nur ein Drittel der 80 000 neuen Sozialmietwohnungen, die pro Jahr gebraucht würden. Der allgemeine Wohnungsbau bediene nur rund 55 Prozent des Bedarfs. In den vergangenen sechs Jahren sei überdies die durchschnittliche Wohnfläche von Neubauwohnungen um 11 Quadratmeter und damit um knapp zehn Prozent gesunken.

Das Bündnis gibt deshalb zehn Handlungsempfehlungen für mehr Wohnungsneubau, preiswerteres Bauen und eine bessere Anbindung des Umlands an die Zentren.

Mehr Bauland bereitstellen

Der drohenden „Austrocknung“ der Märkte aufgrund zu weniger Flächen muss mit einer verstärkten Aktivierung von Bauland begegnet werden. Dies muss durch eine Anpassung von Regional- und Flächennutzungsplänen begleitet und den Ankauf bedarfsgerechter Flächen unterstützt werden.

Mehr langfristige Investitionssicherheit

Eine Erhöhung der Wohnungsneubauzahlen ist nur mit einem Kapazitätsausbau im Baugewerbe möglich. Voraussetzung hierfür sind neben Sonderabschreibungen dauerhafte und verlässliche Rahmenbedingungen durch lineare Abschreibung von mindestens drei Prozent, um die nötige Planungssicherheit zu geben.

Mehr Sozialen Wohnungsbau fördern

Bisher werden mit 1,5 Milliarden Euro neue Sozialwohnungen durch den Bund errichtet. Das ist zu wenig. Es fehlt ein Masterplan Sozialer Wohnungsbau mit klarer Zielvorgabe und angemessener Förderung.

Mehr Personal in den Verwaltungen

Der zyklische und regional wechselnde Neubaubedarf erschwert eine langfristige Personalplanung in den Bauplanungs- und Genehmigungsbehörden. Notwendig ist grundsätzlich mehr Personal in den Verwaltungen sowie kurzfristig ein zusätzlicher Pool an qualifizierten Fachkräften, insbesondere damit auch im Umfeld von Ballungsgebieten zeitnah die erforderlichen Planungs- und Genehmigungsentscheidungen getroffen werden können.

Mehr Konzeptvergabe statt Höchstpreis

Mehr Vergabe von Grundstücken nach sozialen Kriterien (Konzeptvergaben) statt einer Vergabe nach Höchstpreis ermöglichen es, gestaltenden Einfluss auf die Entwicklung von Flächen und den geplanten Wohnungsbau zu nehmen, ohne den wirtschaftlich vertretbaren Rahmen zu verlassen.

Mehr Kostenkontrolle bei Gesetzen

Eine konsequente Durchführung und Berücksichtigung von Folgekostenabschätzungen in den Gesetzgebungs-, Normungs- und Bauplanungsprozessen kann die weitere Kostensteigerung abbremsen.

Mehr Dichte und Höhe zulassen

Modellrechnungen zeigen, dass eine Erhöhung der baulichen Dichte und Gebäudehöhe in Ballungszentren Mietpreissenkungen von 20 Prozent und mehr pro Quadratmeter ermöglichen.

Digitale Prozesse sorgen für Tempo

Die Digitalisierung des Bauprozesses unter Einbeziehung aller an der Prozess- und Genehmigungskette beim Bau Beteiligten ermöglicht Fehlervermeidung, Prozessbeschleunigung, Kostenbewusstsein und Nachhaltigkeit bei Planung, Genehmigung und Bauausführung. Sie sichert zudem einen einheitlichen und schnellen Kommunikationsrahmen.

Bürokratische Hürden schleifen

Einheitliche Landesbauordnungen und die Wiedereinführung aller Möglichkeiten der Genehmigungsfreistellung tragen wirksam zur Reduzierung der Baukosten bei.

Stadt und Land in einem Boot

Ballungsräume stehen in einer engen Verflechtung mit den Umlandgemeinden. Eine angemessene Infrastrukturförderung durch Bund und Länder sowie Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr können dazu beitragen, den begrenzten Flächen und Entwicklungsmöglichkeiten in den Zentren entgegenzuwirken. Damit kann auch erreicht werden, dass die Umlandkommunen Bauland ausweisen. Bisher werden Baugenehmigungen oft nicht erteilt, weil die Infrastruktur (etwa Schulen oder Kitas) nicht ausreicht. Hierfür sollen Fonds aufgelegt werden, aus denen sich die Kommunen vorfinanzieren können.

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