„Bayer-Schicksal liegt in den Händen der US-Justiz“

von Redaktion

Tochter Monsanto muss zwei Milliarden Dollar an krebskrankes Rentnerpaar zahlen – Aktie auf Talfahrt

Leverkusen – Ein amerikanisches Rentnerpaar bringt Bayer in Bedrängnis: Denn eine US-Jury sprach Alva und Alberta Pilliod Schadenersatz in Höhe von umgerechnet fast 1,8 Milliarden Euro (2 Milliarden Dollar) zu. Das Paar war nach der Verwendung von Unkrautvernichtern der Bayer-Tochter Monsanto an Krebs erkrankt. Es ist bereits die dritte Niederlage für Bayer und Monsanto in US-Verfahren im Zusammenhang mit dem umstrittenen Präparat. Zwar kündigte Bayer noch in der Nacht zum Dienstag Berufung gegen die Entscheidung an. Doch an der Börse ging die Talfahrt der Bayer-Aktie weiter.

Die Pilliods hatten den Monsanto-Unkrautvernich–ter Roundup über Jahrzehnte auf ihren Grundstücken verwendet. Bei Alva wurde 2011 ein Non-Hodgkin-Lymphom diagnostiziert, eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. Seine Frau bekam dieselbe Diagnose vier Jahre später. Aufgrund der Werbung des Unternehmens hätten sie den Eindruck bekommen, dass das Mittel sicher sei, beklagte sich Alberta Pilliod am Montag. Sie wünschten sich, dass Monsanto über die Gefahren des Mittels aufgeklärt hätte. Bayer hatte vor Gericht vergeblich darauf verwiesen, dass beide Kläger eine lange Historie von Vorerkrankungen hätten, die bekanntermaßen erhebliche Risikofaktoren für eine Erkrankung am Non-Hodgkin-Lymphom seien.

Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) sieht Bayer nach der Verhängung der Milliardenstrafe in einer gefährlichem Lage. „Das Schicksal von Bayer liegt jetzt in der Hand des US-Richters, der als nächster die Höhe der Strafe prüft“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Das sei „erschreckend“.

Tüngler betonte, das Urteil zeige auch, dass Bayer das mit der Monsanto-Übernahme verbundene Reputationsrisiko offenbar unterschätzt habe. Der Leverkusener Konzern sei immer davon ausgegangen, dass es nur in Deutschland ein Problem mit dem Image des in der Gentechnik sehr aktiven US-Konzerns gebe. Doch seitdem Monsanto nicht mehr amerikanisch sei, sei offensichtlich auch die Stimmung in den USA gekippt.

Seit der Monsanto-Übernahme hat Bayer 45 Prozent seines Börsenwertes verloren. Auch gestern ging es für die Aktie bergab: In der Spitze waren es über 5 Prozent.

Artikel 6 von 6