Huawei-Sanktionen treffen Android-Nutzer

von Redaktion

Der US-Gigant Google kappt in weiten Teilen seine Geschäftsbeziehungen mit dem chinesischen Huawei-Konzern. Das hat Folgen für Smartphone-Nutzer in Deutschland.

VON JÖRG HEINRICH

München – Zwischen den USA und China ist ein kalter Krieg in Sachen Technik ausgebrochen – von dem nun auch deutsche Nutzer betroffen sind. Ende vergangener Woche hatte die Regierung in Washington den chinesischen Elektronikriesen Huawei auf seine schwarze Liste von Firmen gesetzt, mit denen US-Unternehmen – ohne Ausnahmegenehmigung – keinen Handel mehr treiben dürfen. US-Präsident Donald Trump sprach vom „Telekommunikationsnotstand“.

Darauf hat nun Google re-agiert und die Geschäftsbeziehungen zu Huawei abgebrochen. Die Chinesen dürfen damit künftig Googles Betriebssystem Android nicht mehr verwenden, das in Deutschland bei Smartphones und Tablets einen Marktanteil von 78 Prozent hat. Wir erklären Hintergründe und die Folgen für deutsche Huawei-Nutzer.

Was passiert jetzt mit meinem Handy oder Tablet von Huawei?

Vorerst funktioniert alles wie gewohnt weiter. Denn Google hat getwittert: „Wir halten uns an alle Vorgaben der US-Regierung. Aber wir können den Huawei-Nutzern versichern, dass Dienste wie Google Play und die Sicherheits-Updates von Google Play Protect auf ihren existierenden Geräten weiterhin funktionieren werden.“ Google Play ist der Dienst für die Android-Apps. Alle Apps sowie Angebote wie YouTube, Maps oder Gmail laufen auf bereits gekauften Geräten weiterhin, auch Sicherheitslöcher werden gestopft.

Wie sieht es mittelfristig aus?

Mittelfristig kommen auf Huawei-Nutzer Probleme zu: Die Aktualisierung auf die nächste und für die Sicherheit wichtige Version Android Q dürfte für ihre Geräte nicht mehr erscheinen. Das gilt auch für Huaweis Billigmarke Honor. Ob den Kunden Schadenersatz zustehen könnte, hängt vor allem davon ab, wie sicher Huawei seine Geräte auch künftig halten kann.

Wie viele Nutzer sind in Deutschland betroffen?

Absolute Zahlen gibt es keine. Aber Huawei war im dritten Quartal 2018 hinter Samsung (34 Prozent Marktanteil) und Apple (28 Prozent) mit 21 Prozent bereits die Nummer drei auf dem deutschen Smartphone-Markt. Diese Zahl dürfte weiter steigen, nachdem Huawei zuletzt mit seinem Flaggschiff P30 Pro (ab 750 Euro) das Handy mit der wohl besten Kamera überhaupt veröffentlicht hat. Deutsche Nutzer sind übrigens doppelt betroffen: Denn der Konflikt könnte auch den Start des neuen 5G-Mobilfunknetzes verzögern, für das Huawei einer der Hauptlieferanten ist.

Kann ich künftig noch Huawei-Smartphones kaufen?

Wer sich für Huawei-Handys interessiert oder jetzt auf Schnäppchen hofft, sollte abwarten, wie sich der Handelsstreit weiter entwickelt. Mittlerweile haben auch die Chiphersteller Intel, Qualcomm, Xilinx und Broadcom ihre Lieferungen eingestellt. Auch Infineon hat einen entsprechenden Lieferstopp seiner US-Produkte angekündigt (siehe Kasten). Angeblich hat Huawei noch Material für drei Monate auf Lager, danach droht ein Stopp der Produktion.

Welche Folgen wird das für den chinesischen Konzern haben?

Wenn Smartphones wie das P30 Pro künftig keine Android-Aktualisierungen mehr erhalten, wäre das gegenüber Samsung oder Apple ein massives Handicap, der Kauf wäre dann nicht mehr zu empfehlen. Huawei hatte bereits vor Monaten angekündigt, für den Fall eines Google-Boykotts ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln. Doch bis zur Veröffentlichung dürfte es lange dauern. Und gleichwertige Dienste zu Google-Produkten wie YouTube, Gmail oder dem Chrome-Browser können die Chinesen ohnehin nicht anbieten.

Welche Alternativen gibt es?

Die vier Varianten des Motorola Moto G7 (ab 135 Euro) gelten derzeit als beste Einsteiger-Smartphones, die auch langfristig mit aktueller Android-Software versorgt werden. Ganz neu und preislich attraktiv sind Googles Pixel 3a und 3a XXL (ab 399 Euro), die vor allem mit ihrer exzellenten Kamera glänzen. Top-Alternative zum Huawei P30 Pro ist das OnePlus 7 Pro, das heute mit herausragender Kamera und Bildschirm ab 709 Euro erscheint. Es kommt zwar ebenfalls aus China, ist vom Handelsstreit aber (vorerst) nicht betroffen.

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