Webasto investiert gegen den Trend

von Redaktion

Der Autozulieferer Webasto musste nach Jahren rasanten Wachstums 2018 eine Delle beim Umsatz hinnehmen und einen Einbruch beim Ergebnis. Doch der Optimismus des Unternehmens ist ungebrochen.

VON MARTIN PREM

Stockdorf – Mal angenommen, Webasto wäre ein börsennotiertes Unternehmen, dessen Chef gestern einen Rückgang beim Umsatz um 2,2 Prozent einräumen musste, und beim operativen Ergebnis sogar einen Einbruch um 18,5 Prozent: Der Kurs der Aktie wäre nach unten gerauscht. Und dann erläuterte Vorstandschef Holger Engelmann auch noch, dass er nicht etwa am Personal gespart, sondern dieses um mehr als fünf Prozent aufgestockt habe. Und er gab zu, dass die Lage eigentlich zu unsicher sei, um fürs laufende Jahr eine Prognose abzugeben. Das hätte unter Aktionären Panik ausgelöst.

Nun ist Webasto nicht an der Börse notiert, sondern gehört immer noch den Nachfahren des Firmengründers. Das macht vieles leichter. So erklärte Engelmann, dass er nicht einmal einen verbreiteten Trick zur Bilanz-Aufhübschung eingesetzt habe: Die „Aktivierung“ der Entwicklungskosten in Höhe von 271 Millionen Euro (immerhin fast acht Prozent des Umsatzes von 3,4 Milliarden Euro).

Aktivierung funktioniert so: Das Geld ist erst einmal weg. Also ein Minus beim Gewinn. Doch es ist ganz legal, das auszugleichen: Dabei werden die Kosten als immaterielle Vermögenswerte gleichzeitig mit Pluszeichen auf der Aktivseite ausgewiesen. Damit ist der Gewinn ungeschmälert. „Machen wir nicht“, sagt Engelmann. „Wir bilanzieren konservativ.“

Und auch die Anteilseigner lassen viel vom verdienten Geld im Unternehmen. So ist die Eigenkapitalquote in den vergangenen vier Jahren von 42 auf 49 Prozent gestiegen. Ein solides Polster, weshalb ein Börsengang für Engelmann Derzeit kein Thema ist. „Wir brauchen kein zusätzliches Kapital“, sagt er.

Dies, obwohl das Unternehmen in vielen Ländern massiv investiert. Mit dem Ausbau seiner Präsenz in Südkorea – wo Webasto vor allem an Hyundai und Kia liefert. In China, wo das elfte Werk entsteht und bestehende weiter ausgebaut werden. In den USA, wo in Plymouth ein neues Werk gebaut wird oder in Mexiko, wo der Standort Irapuato vergrößert wird.

Doch Webasto investiert nicht nur im Ausland. Das Werk Schierling (Niederbayern) wird zum Zentrum für die Batterie-Fertigung. Stromspeicher, vor allem für Elektroauto-Hersteller, die selbst zu klein sind, um eigene Batterien zu entwickeln, gehören zum jüngsten Geschäftsbereich von Webasto: Batterien und Ladelösungen. Dieser Bereich war 2018 mit einem Umsatz von 19 Millionen Euro der mit Abstand kleinste des Unternehmens. Es ist aber der mit den höchsten Wachstumserwartungen. Eine Milliarde Umsatz strebt Engelmann für 2025 an.

Fürs Gesamt-Unternehmen erwartet er sechs Milliarden Euro. Das bedeutet, dass auch die anderen Bereiche, also Dach- sowie Thermosysteme. kräftig wachsen müssen, um die Ziele zu erreichen.

Auch die Zahl der Beschäftigten soll weiter zulegen. Allein in Deutschland im laufenden Jahr von 3800 auf 4000. Sie soll aber nicht so schnell steigen wie der Umsatz. Deshalb soll das Werk in Utting zum globalen Kompetenzzentrum für Anlagenbau und Automatisierung werden. Dort geht es unter anderem darum, ob und wie Maschinen menschliche Arbeit übernehmen können.

Für all das hat Webasto ein solides Polster: einen Auftragsbestand von 23 Milliarden Euro. Das ist kein Hexenwerk, sondern liegt am Geschäftsmodell. Der Auftrag als Lieferant für ein Dachsystem gilt in der Regel für den ganzen Lebenszyklus des Modells – sieben bis acht Jahre.

Nur an einen Fall kann Engelmann sich erinnern, in dem mittendrin ein Wechsel stattgefunden hat: Damals verlor ein Konkurrent einen laufenden Auftrag. Webasto stieg ein und übernahm gleichzeitig die zum Auftrag gehörenden Produktionsanlagen des Konkurrenten.

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