Aktionäre laufen Sturm gegen Achleitner

von Redaktion

Die Geduld vieler Aktionäre der Deutschen Bank ist am Ende. In der Kritik steht Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Ausgerechnet während der gestrigen Hauptversammlung stürzte die Aktie des Instituts auf ein neues Rekordtief.

VON ROLF OBERTREIS

Frankfurt – Vorstandschef Christian Sewing konnte gestern relativ gelassen bleiben. Die Kritik an seiner Person hielt sich auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank in Grenzen. Im Mittelpunkt der Aktionärsschelte stand Paul Achleitner, der schon lange umstrittene Aufsichtsratschef des Instituts.

Vor allem ihm kreiden die Eigentümer der Bank die seit Jahren anhaltende Talfahrt des Aktienkurses, die mauen Gewinne, Skandale und das krasse Missverhältnis zwischen schmaler Rendite und hohen Gehältern des Vorstandes und den immer noch üppig fließenden Boni an. Deka-Bank-Fondsmanager Andreas Thomae kündigte vor rund 4000 Aktionären in Frankfurt an, nicht für die Entlastung von Achleitner zu stimmen – und erntete dafür kräftigen Applaus.

Obwohl der Österreicher das Management mehrfach seit seinem Amtsantritt 2012 ausgetauscht habe, sei der Umbau der Bank immer noch nicht abgeschlossen, die Profitabilität lasse weiter zu wünschen übrig, sagte Thomae. „Aus dem Aktienkurs ist ein Horrorfilm mit Überlänge geworden.“ Achleitner nahm es gelassen. Den Antrag auf Abwahl als Versammlungsleiter bejahten gerade mal 0,96 Prozent der Aktionäre.

Überhaupt ist das Interesse am jährlichen Aktionärstreffen erstaunlich überschaubar, trotz des Desasters beim Aktienkurs, der während der Versammlung auf ein neues Rekordtief von 6,38 Euro stürzte. Sewing sprach zwar von Fortschritten im vergangenen Jahr und davon, dass die Bank die Kosten wie angekündigt gedrückt, die Bank stabilisiert, die Zahl der Rechtsfälle weiter reduziert und erstmals seit 2014 wieder einen Gewinn von allerdings bescheidenen 341 Millionen Euro verbucht habe.

Er räumte aber – wie auch Achleitner – ein, dass das bei Weitem nicht reiche. Vor allem auch mit Blick auf das Investmentbanking. „Wir sind zu harten Einschnitten bereit“, sagte der seit April 2018 amtierende Bank-Chef. Er rechtfertigte die Gespräche mit der Commerzbank und auch deren Ende. „Unser eigener Plan ist der bessere.“ Konkrete Gespräche mit anderen Partnern gebe es derzeit nicht, sagte Sewing. Er will mit der Bank erst einmal alleine vorankommen. „Wir werden die Transformation beschleunigen und die Bank konsequent auf die profitablen und wachsenden Bereiche ausrichten. Dafür stehe ich.“ Der Aktienkurs, klagte Sewing, spiegele das Potenzial der Bank nicht wider Der Applaus der Aktionäre fiel verhalten aus.

Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach immerhin von ersten positiven Zeichen. Mehr aber auch nicht. Er kritisiert wie andere Redner auch die Boni von insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die vor allem an die wenig erfolgreichen Investmentbanker geflossen seien. „Die Aktionäre speisen Sie gerade mal mit zwölf Prozent dieser Summe ab.“ Elf Cent werden als Dividende ausgeschüttet. „Wo soll die Reise hingehen?“, fragte er. „Und haben wir dabei überhaupt noch das Heft des Handelns in der Hand?“ Die Bank habe reichlich Zeit vergeudet in den vergangenen Jahren. Das kreidet Nieding vor allem dem Aufsichtsratschef an. Achleitner registrierte es mit unbewegter Miene. Wie auch in den vergangenen Jahren ließ er doe Kritik an sich abprallen.

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