Audi gibt bei Mobilitätsdiensten Gas

von Redaktion

VON THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

Ingolstadt – Mobilitätsdienste gelten als Zukunft der Autoindustrie. Global sorgen dabei Fahrtenvermittler wie der US-Pionier Uber für Aufsehen. Hierzulande haben sich die Premium-Konkurrenten Daimler und BMW auf dieser Ebene verbündet, um bei der Mobilität der Zukunft das Heft in der Hand zu behalten. Nur Audi – dritter Premiumhersteller in Deutschland – war lange säumig. Das soll sich nun ändern.

„Wir werden für Audi on demand in Deutschland bis Sommer 15 neue Standorte und 45 bis Ende des Jahres haben“, sagt Bettina Bernhardt. Sie ist Chefin der Audi-Tochter Business Innovation und damit im Haus für den Aufbau globaler Audi-Mobilitätsdienste zuständig. In deren Zentrum steht das Mietangebot Audi on demand. Das unterscheidet sich von Angeboten wie dem soeben unter einem Dach für Mobilitätsdienste vereinten Carsharing von Daimler (Car2Go) und BMW (Drive Now). Denn bei Audi on demand muss ein Kunde den Wagen an einem bestimmten Ort abholen und ihn dort auch wieder abliefern. Wer bei Mercedes und BMW einsteigt, kann das beim nächstgelegenen Car-sharingmobil oft gleich um die Ecke und es nach Ende der Fahrt irgendwo im Stadtgebiet wieder abstellen.

45 Städte bis Jahresende

In Deutschland ist Audi on demand bei Verbrauchern noch so gut wie unbekannt. Das liegt daran, dass es den App-basierten Dienst bislang nur am Flughafen München und bei der Bundesgartenschau in Heilbronn gegeben hat. Mit der Audi-Zentrale in Ingolstadt ist jetzt ein dritter Standort eröffnet worden.

Nun soll es Schlag auf Schlag gehen. In den 45 größten deutschen Städten soll Audi on demand bis Jahresende verfügbar sein. Man beginne mit den Millionenmetropolen und bediene dann die Großstadtkategorie darunter, erklärt Bernhardt. Als Vermietstandorte dienen einerseits Audi-Händler und andererseits ab Herbst die Standorte des neuen Audi-Kooperationspartners Sixt. Dabei soll sich Sixt auf kurzfristiges Mieten auf Stundenbasis konzentrieren, während Audi on demand Wochenendmieten im Fokus hat.

In Deutschland will Audi bei Mobilitätsdiensten so schnell ein großes Rad drehen. Experimentiert wurde genug. Der Vermietstandort Ingolstadt ist der 50. von Audi. Audi on demand gibt es heute in Peking und San Francisco, Spanien und Großbritannien. Insgesamt hat die VW-Tochter bei ihrem Mobilitätsdienst weltweit rund 2000 Fahrzeuge im Einsatz, davon je 15 Audis an den drei deutschen Standorten und zählt weltweit 600 000 registrierte Nutzer. Das ist vergleichsweise wenig. Die gemeinsame Carsharing-Flotte von BMW und Daimler ist gut zehnfach größer bei etwa sechsfacher Kundenzahl. Billiger ist das Duo mit Stundentarifen von deutlich unter 20 Euro auch. Einen Audi on demand kann man ab 23 Euro die Stunde mieten. Dafür sei das aber dann auch das vorher online ausgewählte Wunschauto, betont Bernhardt. Zudem gebe es bei Audi einen Fahrzeugeinweiser, der Kunden die moderne Technik erklärt. Audi habe Premium-Anspruch, sagt die Managerin in Abgrenzung zum üblichen Carsharing. „Der Fokus liegt auf Erlebnisfahren“, erklärt sie die Unterschiede zu BMW und Daimler, die auch die höheren Preise rechtfertigen sollen.

Gleichzeitig wird es für Verbraucher aber komplizierter, wenn sie ihren Wagen nur an einem zentralen Ort holen können und ihn dort wieder abgeben müssen. Zeitlich geht das zudem nur zwischen acht und 17 Uhr. Audi on demand werde auf der Sixt-App wie eine Art digitaler Shop im Shop integriert, erklärt Bernhardt. Audi bekomme über Sixt Zugriff auf über 100 weitere Standorte bundesweit. Insgesamt 10 000 Audis europaweit sind für die Kooperation reserviert. Auch diese Wagen kann man aber nur zentral abholen und muss sie am Ausleihort wieder zurückgeben, erklärt Bernhardt. Daneben würden Audis in der Sixt-eigenen Carsharing-Flotte fahren. Die können Kunden standortunabhängig anmieten und das zu Stundenpreisen, die unter der Hälfte des Audi-eigenen Tarifs liegen.

Audi-Händler verschnupft

Die Ingolstädter glauben trotzdem, dass sich Audi on demand durchsetzt. Carsharing wie bei Daimler und BMW wird es bei der VW-Tochter jedenfalls nicht geben, betont Bernhardt. Auch der Unmut der Audi-Händler werde sich legen, schätzt sie. Die sind über den neuen Mobilitätspartner Sixt alles andere als erbaut. Weil dieser auch im großen Stil Gebrauchte verkauft, sehen Audi-Händler in Sixt mehr einen Rivalen als einen Partner.

Artikel 6 von 6