Luftfahrt: Karten werden neu gemischt

von Redaktion

Boeing unter Druck, ein Super-Langstreckenjet von Airbus und ein neues europäisches Kampfsystem: Die Luftfahrtmesse Le Bourget mischt die Karten der Branche neu.

VON STEFFEN WEYER UND AMELIE RICHTER

Le Bourget – Es ist die größte Luftfahrtmesse der Welt: Zweimal im Jahr trifft sich die Branche im Pariser Vorort Le Bourget. Gestern startete der Aérosalon mit ersten Milliardenverträgen.

Europäischer Kampfjet

Deutschland, Frankreich und Spanien haben das Milliardenprojekt eines gemeinsamen Kampfjets besiegelt. Zum ersten Mal werde gemeinsam ein europäisches Kampfflugzeugsystem auf den Weg gebracht, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf der Messe. Das sogenannte Luftkampfsystem der Zukunft (FCAS) soll von 2040 an einsatzfähig sein – am Ende soll es nicht nur einen einzelnen Kampfflieger der neuen Generation geben, sondern auch ein Gesamtsystem, das Drohnen oder Satelliten steuern kann. Für die Entwicklung des Systemverbundes werden laut Experten schätzungsweise acht Milliarden Euro fällig. Für Beschaffung und Betrieb werden Ausgaben von 100 Milliarden Euro genannt.

Neuer Super-Airbus

Der europäische Flugzeugbauer Airbus will mit einer neuen Super-Langstreckenversion seines Verkaufsschlagers A321neo einer Neuentwicklung seines Rivalen Boeing zuvorkommen. A321XLR heißt das Modell. Die Maschine soll Strecken von 8700 Kilometer bewältigen können und ab dem Jahr 2023 verfügbar sein, kündigte Airbus-Verkaufschef Christian Scherer auf der Messe an.

Die A321XLR soll 15 Prozent weiter fliegen können als die bisherige Langstreckenversion A321LR. Damit sei sie für Strecken etwa zwischen Europa nach Amerika oder zwischen Europa und Indien geeignet, hob Airbus hervor. „Verglichen mit bisherigen Flugzeugen wie der Boeing 757, die solche Strecken typischerweise fliegen, spart die A321XLR rund 30 Prozent an Treibstoff und CO2-Ausstoß ein“, sagte Scherer. Als erster Kunde kündigte der Flugzeugfinanzierer Air Lease Corporation eine Bestellung über 27 Jets an.

Boeing unter Druck

Boeing will dieses Segment ebenfalls mit einem neuen Jet besetzen. Der US-Konzern hat aber nach mehrjährigen Diskussionen noch nicht beschlossen, ob, wann und wie er den Jet baut. Boeing steht ohnehin unter Druck: Nach zwei Abstürzen des Mittelstreckenjets 737 Max gilt seit März ein weltweites Flugverbot für Maschinen dieses Typs. Boeing-Chef Dennis Muilenburg sagte vor Beginn der Messe, das Unternehmen werde sich für die Verbesserung des Flugzeugs die notwendige Zeit nehmen. Wann die 737 Max wieder abheben können, wollte der Boeing-Chef nicht vorhersagen. Viele Airlines haben die Maschinen für den Großteil des Sommers aus dem Flugplan gestrichen.

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