Die Elektro-Pläne von BMW – und wo es hakt

von Redaktion

München – Wenn Bayerns meistbesuchte Touristenattraktion für fünf Tage schließt, dann sollte das gewichtige Gründe haben. Ganze Besuchergruppen mussten gestern vor versperrten Eingängen der BMW-Welt kehrtmachen. Der Grund dafür heißt „NEXTGen“. Das steht für die künftige Generation von Fahrzeugen, wie sie – vielleicht in der BMW-Welt – an Kunden übergeben werden. Dabei stellt BMW in dieser Woche eine breite Palette bereits oder bald verfügbarer elektrifizierter Fahrzeuge vor, bereits bekannte Konzeptfahrzeuge wie den iNext, aber auch zwei neue: den sportlichen „Vision M Next“, und ein elektrisches Motorrad „Vision DC-Roadster“.

Schon vor der eigentlichen Veranstaltungsreihe hatte Konzernchef Harald Krüger klargemacht, dass er bei der Elektromobilität aufs Gas- oder besser Strompedal drücken und die zunächst für 2025 angekündigten 25 elektrifizierten Modelle bereits zwei Jahre früher auf den Markt bringen will.

Und der Absatz dieser Fahrzeuge soll jährlich um 30 Prozent steigen. Die Industrie braucht die neuen Autos im Markt, damit sie um gewaltige Strafzahlungen wegen Überschreitung der Kohlendioxid-Grenzwerte herumkommen kann.

Nun besteht kein Zweifel, dass BMW diese Autos bis dahin entwickeln und auch bauen kann. Auch die bislang häufig kritisierte zu kurze Reichweite ist inzwischen kein schlagendes Argument gegen Elektroautos mehr. Die neuen Modelle können mit Benzinautos durchaus mithalten.

Die Frage ist, nur ob die Kunden sie wirklich wollen. Hier macht der Autobauer mit der Veranstaltungsreihe unter anderem für Analysten und Influencer Dampf. Ein bisschen wirkt die seit über einem Jahr vorbereitete Inszenierung aber auch wie ein verzweifeltes Signal an die Welt, dass es nicht an den Autoherstellern – zumindest nicht an BMW – liegt, wenn die Elektromobilität in Deutschland nur im Schneckentempo vorankommt.

Es gibt viele Punkte, an denen es hakt, und zumindest die wichtigesten waren auch vorgestern Thema beim Autogipfel im Kanzleramt, von dem BMW-Chef Krüger auch berichtete. Da war von einem „Masterplan Ladeinfrastruktur“ die Rede, was schon deshalb alarmierend klingt, weil das Wort „Masterplan“ immer dann auftaucht, wenn es eigentlich gar keinen Plan gibt. Zwar bauen Parkhausbetreiber, Tankstellenketten, Elektrizitätsversorger, aber auch Unternehmen inzwischen an vielen Orten Schnellladesäulen auf. Auch BMW fördert nach Krügers Worten Mitarbeiter dabei, Ladepunkte einzurichten. Von 17 400 öffentlichen Ladepunkten spricht der Energieverband BDEW. Doch das alles hilft wenig, wenn das Stromnetz dahinter die entsprechende elektrische Leistung nicht bereitstellen kann.

Immerhin will die Politik inzwischen rechtliche Hürden für Lademöglichkeiten etwa in Miet- oder Eigentumswohnanlagen beiseiteräumen. Doch auch das hilft wenig, wenn Elektrizitätsversorger dort nur den Strom für einen Bruchteil des möglichen Bedarfs anbieten können.

Außerdem ist der einst als billig angepriesene elektrische Treibstoff mittlerweile ein Luxusgut geworden. Rund 55 Cent pro Kilowattstunde kostet er an Münchner Stromtankstellen – das doppelte dessen, was Haushalte zahlen müssen. „Wir müssen die Stromkosten reduzieren“, sagte Krüger deshalb.

Dabei zielt die Elektromobilität aus dem Hause BMW vor allem auf Autofahrer, die nicht jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Es sind in erster Linie Oberklasselimousinen und schwere SUV, die als Elektro-Variante angeboten werden. Mit ihnen ist bei der CO2-Bilanz am meisten zu gewinnen. Außerdem verdienen die Hersteller an diesen Fahrzeugen gut. Daher lassen sich auch Elektro-Mehrkosten leichter verkraften. Zwar gibt es künftig auch den 1er als Plug-in-Hybrid und einen elektrischen Mini. Doch Low-Cost-Autos werden auch das nicht werden.

Gravierende Veränderungen kommen auf die Beschäftigten zu. Viele Qualifikationen werden in der Autoindustrie künftig nicht mehr gebraucht, dafür andere. Von rund 100 000 Betroffenen vor allem in der Zulieferindustrie sprach Krüger unter Berufung auf eine Studie. Menschen, denen eine Qualifizierung angeboten werden müsse. Diesen Wandel zu bewältigen sei eine gewaltige Herausforderung nicht nur für die Industrie, sondern auch für Politik und Gesellschaft. MARTIN PREM

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