Audi: Das Ringen um die deutschen Werke

von Redaktion

Audi muss sparen. Doch das Unternehmen dementierte gestern einen dramatischen Abbau von 10 000 Stellen in Deutschland. Doch den Beteiligten ist klar, dass sich der lange Zeit erfolgsverwöhnte Autobauer neu aufstellen muss.

VON MARTIN PREM

Ingolstadt – Es ist in Ingolstadt nicht selten, dass Vater, Sohn und Enkelin bei einer Firma arbeiten: Audi. Das ist auch kaum anders denkbar in einer Stadt, die 140 000 Einwohner hat, und in der der Autobauer als größer Arbeitgeber allein rund 40 000 Menschen beschäftigt.

Doch wenn sich bald der Urenkel beruflich orientieren will, stehen über einer möglichen Zukunft für ihn bei Audi große Fragezeichen. Denn seit Monaten zeichnet sich mehr und mehr ab, dass bei dem Hersteller nobler Automobile gewaltige Veränderungen anstehen. Der forcierte Umstieg auf Elektromobilität wird auch beim Personalstand Spuren hinterlassen.

Gestern hatten Unternehmen und Betriebsrat alle Hände voll zu tun, einer Meldung des Bayerischen Rundfunks entgegenzutreten, dass 10 000 der rund 60 000 Stellen bei Audi in ganz Deutschland in Gefahr seien. Das Dementi war Pflicht. Zum einen verbietet sich die Nennung konkreter Zahlen, bevor Unternehmen und Betriebsrat so etwas ausgehandelt haben. Zum anderen ist die Zahl in der Praxis kaum durchsetzbar. Denn bis 2025 sind betriebsbedingte Kündigungen bei Audi in Deutschland ausgeschlossen.

Betriebsrat und Vorstand haben sich gerade erst in Stellung gebracht. Peter Mosch, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, erklärte auf Betriebsversammlungen in Ingolstadt und gestern in Neckarsulm, dass er die neue Unternehmensstrategie „für in sich schlüssig und realistisch“ hält.

Das war ein wichtiges Signal der Verhandlungsbereitschaft: Ein überzeugendes Konzept hatte Mosch als Voraussetzung dafür gefordert, dass er mit dem Vorstandsvorsitzenden Bram Schot überhaupt in Verhandlungen tritt.

Doch damit sind noch nicht alle Hürden genommen. Nun wollen die Arbeitnehmer eine Einigung über die Auslastung der heimischen Standorte, bevor sie mit dem Unternehmen über Details verhandeln werden.

Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber eine zentrale Zukunftsfrage. Finanzvorstand Alexander Seitz hatte deutlich gemacht, dass aus seiner Sicht die aktuelle Kapazitätsplanung nicht wirtschaftlich sei. Heißt: zu viele Beschäftigte für zu wenige Aufgaben. Eine logische Folgerung wäre Personalabbau. Schot hatte bereits im Frühjahr angekündigt, dass man bei der Wiederbesetzung von Stellen genau hinsehen werde. Man nutzt also natürliche Fluktuation auch zum Kostensparen.

Eine andere Möglichkeit, die der Betriebsrat will: Man schafft mehr Arbeit. Das kann beispielsweise bedeuten, Aufgaben von Zulieferern in die eigenen Werke zurückzuholen. Die für den Betriebsrat vorrangige Frage ist aber, welches künftige Modell in welchem Werk gebaut wird. Denn ein Zuschlag ist für den betroffenen Standort immer auch eine Art Beschäftigungsgarantie – zumindest für sieben bis acht Jahre.

Erst wenn diese Hürden genommen sind, wird um die wirklichen Details verhandelt. Im konkreten Fall muss darum gerungen werden, dass beim Umstieg auf Elektromobilität viele Qualifikationen aus dem Automobilbau mit Verbrennungsmotoren nicht mehr gebraucht werden. Dafür andere, mit anderen Voraussetzungen.

Man könnte also Beschäftigung in dem einen Sektor abbauen und Experten aus dem anderen einstellen. Das aber will der Betriebsrat verhindern und fordert Programme, durch die die eigenen Beschäftigten für neue Aufgaben qualifiziert werden.

Mosch betonte auch, dass er an der dualen Ausbildung bei Audi festhalten will. „Nur mit einer starken Ausbildung können wir als Unternehmen unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden“, sagte er. Es könnte vielleicht doch noch etwas werden, mit dem Audi-Job auch in der vierten Generation.

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