Warum Bayern in den Weltraum will

von Redaktion

Im Wintersemester nimmt die neue Fakultät für Luft- und Raumfahrt an der TU München ihren Betrieb auf. Bei ihrer gestrigen Vorstellung präzisierte Ministerpräsident Markus Söder seine Raumfahrtpläne für Bayern.

VON NICO BAUER UND MARTIN PREM

Garching – Als Kind hat er, wie er sagt, davon geträumt, Astronaut zu werden. Fan von Science Fiction ist Ministerpräsident Markus Söder heute noch – wie er gestern bei der Vorstellung der neuen Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie an der Technischen Universität München (TUM) bekannte. Und ganz offensichtlich hat, die Raumfahrt für ihn nicht nur persönlich einen besonderen Stellenwert. „Wir denken hier in neuen Maßstäben, denn wir wollen die größte Weltraumfakultät Europas aufbauen“, sagte er. Die neue Fakultät ist ein Teil von Söders Raumfahrtprogramm „Bavaria One“. Sie soll im kommenden Wintersemester ihren Betrieb aufnehmen.

Noch ehrgeiziger als Söder zeigte sich gestern TU-Präsident Wolfgang Hermann, der vom „Space Valley“ sprach und sagte, „Wir wollen die Nummer eins auf der Welt werden.“

Es muss sich viel tun, bis die Fakultät mit 30 neuen Lehrstühlen steht. Sie wird nicht nur in Garching untergebracht, sondern auch am Campus für Luft- und Raumfahrt in Taufkirchen/Ottobrunn und in Oberpfaffenhofen. Das wird eine Großbaustelle. „Wir stellen Gebäude für 500 Millionen Euro hin“, sagte Söder.

Der Ministerpräsident ist überzeugt vom Nutzen, den die Raumfahrt unmittelbar auch für das Leben auf der Erde bringt. Er spricht von einem Paradigmenwechsel. es gebe nicht mehr die rein wissenschaftliche Missionsraumfahrt, sondern die Anwendungsraumfahrt mit unmittelbarem Bürgernutzen. Von genaueren Wettervorhersagen über die Kommunikation und Navigation bis zur detailgenauen Erforschung der Erde aus dem Weltraum. Vieles, was wir im Alltag als selbstverständlich betrachten, wäre ohne Satelliten im Orbit nicht möglich. Söder nannte die Steuertechnik künstlicher Herzen oder auch neue Roboter, die für die Pflege von Menschen eingesetzt werden, als Innovationen, die aus der Raumfahrttechnik entstanden sind. Es brauche die Ingenieure, die sich trauen, neue Wege zu gehen – und das manchmal auch mit ungewissem Ausgang.

Doch es geht für ihn nicht nur um Nutzen. Mit der Raumfahrt sei auch die ethische Frage nach der Dimension des eigenen Seins verbunden. sagte er. „Je mehr man erfährt von der Dimension des Weltalls, desto demütiger, manchmal bescheidener, aber ehrlicherweise auch bewusster wird man.“ Vor gut zwei Wochen hatte Söder bereits angekündigt, besonders die Umwelt und das Klima ins Zentrum der bayerischen Luft- und Raumfahrtforschung zu rücken. Und er fordert nun, das Wissen darüber auch rasch in konkrete Lösungen umzusetzen: „Wer etwas weiß, dann aber nichts tut, der versündigt sich an der Zukunft“, sagte er.

Die Nummer eins in Europa oder in der Welt ist ein noch ferneres Ziel. Zunächst peilt Söder an, die Nummer eins in Deutschland zu werden. Denn noch ist in Sachen Raumfahrt Bayern klar auf Platz zwei hinter Bremen. In der Hansestadt liegt das Zentrum der deutschen Raumfahrtaktivitäten von Airbus sowie der Ariane Group und auch die Zentrale des zweitgrößten deutschen Raumfahrtkonzerns OHB. Allerdings hat die OHB mit ihrem wichtigen Standort Oberpfaffenhofen und einer Beteiligung an MT Aerospace in Augsburg mittlerweile mehr Mitarbeiter in Bayern als in Bremen.   Mit Material von dpa

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