BMW braucht einen neuen Chef

von Redaktion

Nach vier Jahren an der Spitze von BMW nimmt Harald Krüger den Hut. Ganz freiwillig ist der Abschied des zurückhaltenden Managers wohl nicht. Zwei Nachfolgekandidaten stehen bereit.

VON THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

München – Überraschend kommt es nicht. Harald Krüger tritt nach schwelender Kritik an seiner Strategie als BMW-Chef ab. Er stehe nicht mehr für eine zweite Amtszeit zur Verfügung, erklärt der 53-jährige nun, zwei Wochen vor einer Aufsichtsratssitzung, die ohnehin seine Ablösung hätte bringen können. In der offiziellen BMW-Mitteilung wird der zurückhaltende Manager mit warmen Worten und Respektsbekundungen verabschiedet. Er habe im Haus mit großer Leidenschaft wichtige Akzente gesetzt, erklärte BMW-Oberaufseher Norbert Reithofer und zeigte zugleich Verständnis für den Schritt.

In den BMW-Aufsichtsrat, wie bei Ex-Chefs sonst üblich, soll Krüger offenkundig nicht einziehen. Auch das deutet auf einen eher unfreiwilligen Abschied hin. Sogar ein vorzeitiges Ausscheiden des gebürtigen Freiburgers, dessen Vertrag noch bis Mai 2020 läuft, ist denkbar. Bis zur Entscheidung über seine Nachfolge werde Krüger BMW-Chef bleiben, heißt es offiziell. Diese Entscheidung soll am 18. Juli fallen. Damit müsste der zuletzt eher glücklose Krüger zehn Monate vor Vertragsende weichen.

„Nach über zehn Jahren im Vorstand, davon mehr als vier Jahre als Vorstandschef der BMW Group, will ich mich nun beruflich neu orientieren“, erklärt Krüger, ohne hinsichtlich seiner Zukunftspläne konkreter zu werden. Auch ihn selbst drängt es offenkundig nicht in den BMW-Aufsichtsrat. Fragen nach einer Vertragsverlängerung war der 53-Jährige zuletzt immer wieder ausgewichen. Erstmals über seinen Rückzug spekuliert wurde bereits kurz nach seinem Amtsantritt als Vorstandschef. Damals ist Krüger bei der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt bei einer Präsentation auf offener Bühne kollabiert. Gerüchte über seinen Gesundheitszustand begleiten Krüger seitdem. Der soll aber nichts mit seinem jetzigen Abschied zu tun haben, heißt es.

Was die Nachfolge betrifft, fallen BMW-intern meistens zwei Namen. Der eine ist der von Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich, der andere der von Produktionschef Oliver Zipse. Bei beiden gibt es Für und Wider.

Fröhlich steht als Entwicklungschef einem Ressort vor, das im aktuellen technologischen Wandel der gesamten Autoindustrie eine ausgesprochene Schlüsselstellung zukommt. Er tritt öffentlich auch betont selbstbewusst und engagiert auf, was Ambitionen für den Chef-Posten signalisiert. Weniger Wohlwollende kritisieren ihn allerdings als aufbrausend. Dem Vernehmen nach wäre er zudem alles andere als der Wunschkandidat von Personal und Betriebsrat. Intern gilt BMW-Betriebsratschef Manfred Schoch als Kritiker von Fröhlich. Mit 59 Jahren ist er zudem sehr nahe an der BMW-intern für Manager eigentlich geltenden Altersgrenze von 60 Jahren. Die sei aber nicht in Stein gemeißelt, sagen Insider.

Zipse wiederum genießt in der Belegschaft einen guten Ruf und gilt als konsensorientiert. Er ist mit 55 Jahren auch jünger und steht als Produktionsvorstand einem Ressort vor, das bei BMW traditionell zur Übernahme des Chef-Sessels prädestiniert. Auch Zipse hat aber intern seine Kritiker, die vor allem in den eigenen Vorstandsreihen zu finden sind. Kritikern gilt er als blass und zu zurückhaltend. Zipse stünde für eine Beibehaltung des bisherigen Führungsstils, Fröhlich eher für rauere Töne und forschere Gangart.

Wer das Rennen macht, entscheidet bei BMW vor allem die dort dominierende Aktionärsfamilie Quandt, die mit Susanne Klatten und Stefan Quandt auch zwei Vertreter im Aufsichtsrat hat. Sie favorisiert traditionell Manager, die ihr Ego unter Kontrolle haben.

Forsche Charaktere haben bei BMW deshalb schon öfter Überraschungen erlebt, wenn es darum gegangen ist, den Vorstandsvorsitz neu zu besetzen. Beispiele dafür sind Wolfgang Reitzle oder auch der heutige VW-Boss Herbert Diess. Andererseits könnten die Hintergründe von Krügers Abgang eine Abkehr von dieser Praxis bringen. Denn unter ihm droht BMW seine Rolle als Elektropionier unter Deutschlands Autobauern zu verlieren.

Als die Bayern 2013 mit dem vollelektrischen BMW i3 auf den Markt kamen, hatte noch Krüger-Vorgänger Reithofer die Hand am Steuer. Danach war von BMW in Sachen Elektromobilität nicht mehr viel Neues zu sehen. Erzrivale Daimler, aber auch der Volkswagen-Konzern holten in dieser Hinsicht auf. Zudem hat Mercedes die Marke BMW 2016 in der Ära Krüger als weltgrößten Premiumhersteller abgelöst.

Bei der jüngsten BMW-Hauptversammlung hat es erstmals seit Langem auch seitens der Eigner hörbare Kritik gegeben, weil die Zahlen nicht mehr stimmen. Mehr Durchsetzungskraft und größeren strategischen Mut trauen Kenner der Verhältnisse bei BMW dem forscheren Fröhlich zu, der wie Krüger und Zipse Maschinenbauingenieur ist. Im inneren Machtzirkel des Hauses dürfte die Entscheidung, wer neuer Boss wird, schon gefallen sein. Aber dort weiß man erfahrungsgemäß zu schweigen.

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