Umbau kostet Deutsche Bank Milliarden

von Redaktion

Die Deutsche Bank zieht Konsequenzen aus ihrer Dauerkrise und der Talfahrt des Aktienkurses. Ein Jahr vor dem 150. Jubiläum greift der Konzern zu drastischen Mitteln. Schrumpft sich Deutschlands größtes Geldhaus gesund?

VON STEFFEN WEYER UND JÖRN BENDER

Frankfurt – Die Deutsche Bank will sich mit einem Radikalumbau und der Streichung Tausender Jobs aus ihrer Dauerkrise befreien. Weltweit sollen bis Ende 2022 rund 18 000 Vollzeitstellen wegfallen, wie der Dax-Konzern nach einer mehrstündigen Sitzung des Aufsichtsrats am Sonntag mitteilte. Dann wären es noch 74 000. Die Sanierung soll rund 7,4 Milliarden Euro kosten, der Großteil der Lasten fällt im laufenden Jahr an. Nach drei Verlustjahren und einem Mini-Gewinn 2018 drohen der Bank daher im Gesamtjahr 2019 erneut tiefrote Zahlen.

Der seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef Christian Sewing will die Bank nach zahlreichen Finanzskandalen ein Jahr vor dem 150. Jubiläum des Instituts zu ihren Wurzeln zurückführen. Es gehe darum, „eine neue Epoche“ einzuleiten, schrieb er an die Mitarbeiter. In einer Mitteilung erklärte Sewing, er wolle die Bank „wieder voll und ganz auf ihre Kunden ausrichten“.

Der in den 1990er Jahren begonnene Ausflug in den weltweiten Aktienhandel soll bald Geschichte sein. Nicht nur viele Investmentbanker und normale Angestellte, auch einige Vorstandsmitglieder müssen sich neue Jobs suchen. So will das Management die hauseigene Investmentbank deutlich schrumpfen. Sewing macht den Bereich, der viele Jahre für Milliardengewinne stand, seit der Finanzkrise aber Milliardenstrafen verursachte, zur Chefsache – und dampft ihn gleichzeitig kräftig ein.

Bereits am Freitag hatte die Bank bekanntgegeben, dass Investmentbankchef und Konzernvize Garth Ritchie das Institut zum 31. Juli verlassen wird. Zu diesem Zeitpunkt werden nun auch Privatkundenchef Frank Strauß und die für Regulierungsthemen zuständige ehemalige Bankenaufseherin Sylvie Matherat die Bank verlassen.

Neben dem weltweiten Aktienhandel, mit dem die Bank künftig nichts mehr zu tun haben will, soll auch der Handel mit Zinsprodukten in Zukunft auf deutlich kleinerer Flamme kochen. Bei der Platzierung neuer Aktien soll die Investmentbank aber weitermitmischen – und sich auf Finanzierung, Beratung sowie auf Zins- und Währungsgeschäfte konzentrieren.

In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft reißt das Management zudem zwei Sparten auseinander und fügt sie neu zusammen. So trennt es das Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank und ihrer Tochter Postbank vom Privatkundengeschäft und führt es mit der hauseigenen Transaktionsbank zur neuen Sparte Unternehmensbank zusammen. Die Transaktionsbank – bisher Teil des Bereichs Unternehmens- und Investmentbank – gehört im Zahlungsverkehr, der Handelsfinanzierung und bei den Wertpapierdienstleistungen zur Weltspitze.

Zugleich packt die Bank Vermögenswerte in Milliardenhöhe in eine sogenannte Bad Bank, um sie dort abzuwickeln. Werte von 74 Milliarden Euro sollen so schrittweise aus der Bilanz verschwinden.

Die Kosten für Umbau, Abfindungen und Abschreibungen soll die Bank nach dem Willen von Vorstand und Aufsichtsrat ohne Kapitalerhöhung schultern. Allerdings sollen die Aktionäre für die Jahre 2019 und 2020 erneut auf eine Dividende verzichten. Schon jetzt reißt der Konzernumbau Deutschlands größtes Geldhaus tief in die roten Zahlen. Für das zweite Quartal erwartet das Management einen Verlust von etwa 500 Millionen Euro vor Steuern und 2,8 Milliarden Euro nach Steuern im Zeitraum April bis Ende Juni.

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