Mainz – Viele deutsche Städte verzichten teils schon seit Jahren bei der Unkrautvernichtung auf ihren Grünflächen auf das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Anders sah es lange bei den von Kommunen verpachteten und landwirtschaftlich genutzten Flächen aus. Aber das ändert sich: Immer mehr Städte und Gemeinden nehmen das Verbot auch in ihre Pachtverträge mit Landwirten auf, die stadteigene Äcker bewirtschaften.
Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Eine Behörde der Weltgesundheitsorganisation WHO stufte es als „wahrscheinlich krebserregend“ ein, andere Behörden und Studien betrachten es bei sachgemäßer Handhabung als sicher.
Beim Umgang der Kommunen mit Glyphosat ist zwischen städtischen Grünflächen, sogenanntem Nichtkulturland und verpachteten Flächen zu unterscheiden. Auf Grünflächen wenden es die meisten Kommunen längst nicht mehr an. Beim Nichtkulturland – Straßen, Wegen, Gleisanlagen, Betriebsflächen oder Hafengeländen – braucht es für einen Glyphosat-Einsatz laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine ausdrückliche Genehmigung. Diese würden von den Pflanzenschutzdiensten auf Landesebene aber durchaus noch regelmäßig erteilt, sagt Corinna Hölzel. Sie ist beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Deutschland für Pestizidpolitik zuständig.
Der Deutsche Städtetag teilt mit: „Seit Jahren geht eindeutig der Trend dahin, dass immer weniger Städte Glyphosat einsetzen.“ Das ergab auch eine bundesweite Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. In Stuttgart etwa wird es in Parks, Grünanlagen und auf Friedhöfen seit 2016 nicht mehr verwendet. „Unsere Erfahrungen zeigen: Der Verzicht auf Glyphosat scheint möglich. Voraussetzung ist die Bereitschaft, mehr Zeit und Geld zu investieren“, heißt es dort.
Frankfurt versprüht seit Anfang der 1990er Jahre kein Glyphosat mehr, stattdessen wird gebürstet oder gehackt. Auf Pachtflächen gibt es wie in zahlreichen anderen Städten aber kein Verbot. Saarbrücken verzichtet nach eigenen Angaben sogar schon seit den 1980er Jahren auf den Einsatz von Herbiziden. Hier wird nach einem Stadtratsbeschluss von 2016 in neuen Pachtverträgen der Einsatz glyphosathaltiger Mittel auf Ackerbauflächen, Wiesen, Weiden und sonstigen Grünflächen untersagt. Anschließend sei auch für fast alle Bestandsverträge ein Verbot vereinbart worden.
Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht das kommunales Verhalten kritisch. „In Deutschland zugelassene und zulässige Pflanzenschutzmittel müssen gemäß der guten fachlichen Praxis auch eingesetzt werden können“, sagte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. „Eine Einschränkung bedeutet bei bestehenden Pachtverträgen einen unzulässigen Eingriff.“ Bei Neuverpachtungen würden solche Klauseln den Nutzwert der Fläche einschränken, so dass sich der Pachterlös entsprechend reduziere.
Im Osten der Republik rückt Chemnitz dem Unkraut mit heißem Wasser und Dampf zu Leibe. Bei schwer erreichbaren Flächen komme das Herbizid Finalsan zum Einsatz.
Wie unterschiedlich der Umgang mit Pachtflächen allein in einem Bundesland sein kann, zeigt Nordrhein-Westfalen: Düsseldorf nimmt mittlerweile beim Neuabschluss von Pachtverträgen den Verzicht auf Glyphosat als Bestandteil auf. Bei laufenden Verträgen werde mit den Nutzern über eine Änderung gesprochen.
Das kleinere Siegen hat den Pestizideinsatz auf verpachteten Äckern oder Feldern schon Mitte der 1990er Jahre vertraglich untersagt. Auch Dortmund betont, selbst auf verpachtetem städtischem Grund komme kein Glyphosat zum Einsatz. In Köln werden neuerdings bei der Neuverpachtung diejenigen bevorzugt, die sich unter anderem zu einem Glyphosat-Verzicht verpflichten.
Bald könnten aus der Bundeshauptstadt neue Regeln für die Anwendung kommen, die dann für alle gelten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine Einigung für September in Aussicht gestellt. Es geht unter anderem um ein Verbot für Privatanwender und Regeln für Parks oder den Einsatz in der Nähe von Gewässern. Man sei „sehr nah“ an einer Einigung, sagte ein Sprecher von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) gestern in Berlin. Unabhängig davon plant Bayern eine Bundesratsinitiative, um Glyphosat zu verbieten.