Mit Oliver Zipse bleibt BMW sich treu

von Redaktion

Oliver Zipse wird neuer Vorstandsvorsitzender von BMW. Der 55-jährige bisherige Produktionsvorstand tritt sein neues Amt am 16 August an. Mit einem strategischen Schwenk ist unter seiner Führung nicht zu rechnen.

VON MARTIN PREM

München – Die Überraschung ist ausgeblieben. Oliver Zipse, wird neuer BMW-Chef. Der 55-jährige hat bereits seit der Rücktrittsankündigung von Harald Krüger als haushoher Favorit gegolten. Der bisherige Produktionsvorstand wird am 16. August den Chefsessel von Krüger übernehmen. Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich, der auch als Kandidat für den Vorstandsvorsitz gehandelt wurde, bleibt dem Unternehmen erhalten.

Damit bleibt BMW seiner bisherigen Linie treu, Seit Eberhard von Kuenheim wurde mit Helmut Panke nur einmalein Manager Chef, der vorher nicht Produktionsvorstand des Konzerns war. Vor dieser Funktion war Zipse unter anderem Werkleiter in Oxford und Leiter der Konzernplanung und Produktstrategie.

Der gebürtige Heidelberger Zipse hat nicht nur in Darmstadt Maschinenbau studiert, sondern schon vorher in den USA Mathematik und Informatik.Er ist mit einer Japanerin verheiratet. Die bayerische Staatsoper zählt Oliver und Kaori Zipse zu ihren Förderern. Ihre beiden Söhne studieren.

Noch in anderer Hinsicht bleibt BMW den bisherigen Gepflogenheiten treu. Zipse hat 1991 als Ingenieur bei BMW angefangen. Er ist also ein Eigengewächs des Konzerns.

Eine radikale Abkehr von bisherigen Strategien ist von ihm nicht zu erwarten. Denn der neue Chef gehörte auch dem bisherigen Vorstand an. Und dieser Vorstand ist ein Kollegialorgan. Der Vorsitzende ist zwar die Nummer eins. Doch die Politik bestimmt das Gremium gemeinsam. Und auch im Aufsichtsrat ändert sich nichts.

Norbert Reithofer bleibt Vorsitzender – und er war bisher schon der starke Mann im Hintergrund. Es war wohl ein Problem Krügers, der zeitweise gesundheitlich angeschlagen war, dass er sich hier nicht wirklich freischwimmen konnte.

Das angebliche Versäumnis Krügers, von dem man in den letzten Wochen am häufigsten lesen konnte, war, dass er den Vorsprung von BMW in der Elektromobilität verspielt habe.

Richtig ist: Auf den elektrischen i3 folgte zunächst – außer Konzeptfahrzeuge – nichts. Die Technik aber von den Batterien über die Motorsteuerung bis zu den Motoren wurde beständig weiterentwickelt.

Wenn VW heute an BMW bei batterieelektrischen Fahrzeugen vorbeizieht, hat das einen anderen Hintergrund: Der i3 galt vor allem als das Baby eines BMW-Vorstandsmitglieds. Das hieß Herbert Diess, war einer der heißesten Kandidaten für die Nachfolge von Norbert Reithofer als BMW-Chef. Er wurde es nicht, sondern Krüger. Diess ging zu Volkswagen und nahm seine Leidenschaft fürs Elektroauto mit.

Das Ergebnis ist ein VW, der nicht zufällig ID3 heißt. Ein völlig neugedachtes Auto, das allen Ballast aus über 120 Jahren Entwicklung abwirft und eben nur auf eine Antriebsvariante setzt: Den aus einer Batterie gespeisten Elektromotor.

BMW hat unter Norbert Reithofer diesen Weg anfangs eingeschlagen, dann wieder verworfen und setzt auf Plattformen, die alle Optionen offenlassen: Benzin, Diesel, Erdgas, Wasserstoff, Batterien und das möglichst auch noch in Kombination. Krüger war zwar der Chef. Doch der gesamte Vorstand und zahlreiche weitere Führungskräfte waren an dieser Akzentverschiebung beteiligt. Darunter Klaus Fröhlich und Oliver Zipse. Auch der Aufsichtsrat hat die Strategie „Number One Next“ abgesegnet. Es ist also kaum damit zu rechnen, dass BMW jetzt eine Kehrtwende macht.

Die Offenheit muss auch kein Fehler sein. Das Massenpublikum wartet zwar sehnsüchtig auf neue Elektroautos. Es kauft sie aber kaum. Nur in Ländern, wo sie mit viel Geld gefördert werden, etwa in Norwegen und in Teilen der USA tragen sie zur Massenmobilität bei. Oder in China, wo eine autoritäre Regierung Elektromobilität erzwingen will. Und ein Konzern kann die Marktlage nicht ignorieren. Immer größere SUVs mit Verbrennungsmotoren sind Bestseller, während die teilelektrisierten Sparvarianten Ladenhüter bleiben – vermutlich bis der Sprit wirklich knapp und teuer wird.

Wer auf Zipse als Produktionsvorstand folgen wird, hat der Aufsichtsrat auf seiner gestrigen Sitzung im größten BMW-Werk in Spartanburg im US-Staat South Carolina noch nicht entschieden.

Mit Material von dpa

Artikel 6 von 6