Berlin – Bahnreisen wird auch ohne Preiserhöhung für viele Kunden teurer. „Je mehr Auslastung wir haben, desto weniger Sparpreise haben wir“, räumte der für den Personenverkehr zuständige Vorstand Berthold Huber bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz der Deutschen Bahn ein.
Und über eine mangelnde Nachfrage kann das Unternehmen auch in diesem Jahr nicht klagen: In den ersten sechs Monaten stieg die Zahl der Fahrgäste um 1,3 Prozent auf rund 72 Millionen an. „Damit sind wir auf gutem Wege zum neuen Rekord von über 150 Millionen Fernverkehrsreisenden in diesem Jahr“, sagte Bahnchef Richard Lutz.
Deutlich stärker als die Fahrgastzahl stieg der Umsatz im Fernverkehr mit einem Plus von sechs Prozent. Dieser Zuwachs zeigt, dass die Kunden im Durchschnitt mehr für das Ticket ausgeben mussten als im vergangenen Jahr. Viele von ihnen haben bei der Online-Buchung bereits festgestellt, dass auf beliebten Strecken oder an verkehrsstarken Tagen kaum noch Sonderangebote verfügbar sind. Wer günstig reisen will, muss auf schlechter ausgelastete Züge ausweichen.
Immerhin liegt die Bahn im ersten Halbjahr trotz anhaltender Bautätigkeit bei der Pünktlichkeit über den selbst gesteckten Zielen: 77,2 Prozent der Fahrten verliefen gemäß des Fahrplans, 76,5 Prozent lautet die Vorgabe für das Gesamtjahr. Hier wirkt sich die bessere Koordination zwischen Baustellen und Fahrplan allmählich positiv aus.
Die geschäftliche Bilanz der Bahn ist hingegen gemischt: Mit rund 22 Milliarden Euro Umsatz konnte der Konzern 2,2 Prozent mehr erwirtschaften als im Vergleichshalbjahr 2018. In diesem Jahr rechnet Lutz mit Einnahmen von mehr als 45 Milliarden Euro. Das wäre ein neuer Rekordwert.
Dagegen ist das operative Ergebnis um 22 Prozent auf nur noch 757 Millionen Euro eingebrochen. „Wir nehmen massiv Geld in die Hand für eine bessere Bahn“, begründet Finanzchef Alexander Doll diese Entwicklung.
Aber auch das Sorgenkind Güterverkehr wirft immer noch Schatten auf die Bilanz. 132 Millionen Euro Miese fuhr die Sparte bis Ende Juni ein. Auch die Verschuldung des Konzerns bewegt sich weiter auf hohem Niveau. Mit 21,1 Milliarden Euro steht die Bahn in der Kreide.
Guter Dinge ist der Vorstand mit Blick auf die Finanzierung der Infrastruktur durch den Bund. Offiziell laufen die Verhandlungen dazu noch. Kenner der Materie berichten aber schon von einer grundsätzlichen Übereinkunft. Danach stellt der Bund bis 2030 wohl wenigstens 60 Milliarden Euro für Schienen, Stellwerke oder die Brückensanierung bereit.
Genervt zeigt sich der Bahnvorstand durch einen neuen Bericht der Monopolkommission. Die Ökonomen fordern eine Trennung von Netz und Betrieb. Außerdem soll die Netzgesellschaft Strafzahlungen leisten, wenn sie für Verspätungen verantwortlich ist. Davon erhofft sich die Kommission einen Anreiz für pünktlichere Züge.