Konjunkturschwäche: Industrie fordert flexiblere Tarifverträge

von Redaktion

München – Die bayerische Metall- und Elektroindustrie zeigt sich angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung besorgt. Das geht aus der halbjährigen Konjunkturumfrage des Arbeitgeberverbands Vereinigung der bayerischen Metall- und Elektroindustrie (bayme vbm) hervor, die gestern vorgestellt wurde. Zur Metall- und Elektroindustrie gehören viele bekannte bayerische Unternehmen, darunter Siemens, Audi und BMW.

Zum zweiten Mal in Folge bewerten die Unternehmen die Lage damit negativer. Ausgerechnet die Automobilbranche wird zum Sorgenkind. Den Zahlen des Verbands zufolge ging die Produktion der Hersteller und Zulieferer bis Mai 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent zurück. Handelskonflikte und der Brexit drücken außerdem die Exporte.

Das wirkt sich auch auf die Planungen der Unternehmen aus. Für das laufende Jahr rechnet die Elektro- und Metallindustrie mit weniger Investitionen – zumindest im Inland. Auch die bisher so robuste Entwicklung bei der Beschäftigung trübt sich spürbar ein. Fast 17 Prozent der Firmen gehen in den nächsten sechs Monaten sogar von einem Stellenabbau in Deutschland aus – fünf Mal so viele wie bei der letzten Umfrage im Dezember. Im Ausland dagegen expandieren deutsche Unternehmen, wodurch neue Jobs entstehen.

Für Bertram Brossardt, der als Hauptgeschäftsführer des Verbands die bayerischen Arbeitgeber auch in Tarifverhandlungen mit der IG Metall vertritt, liegt das vor allem an den hohen Löhnen und strengen Tarifregelungen in Deutschland. „Die Schere zwischen Inland und Ausland öffnet sich wieder“, so Brossardt. Mit Blick auf den Standortwettbewerb fordert er daher „moderne und wettbewerbsfähigere Tarifverträge“.

Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern nimmt den Fehdehandschuh auf. Die Tarifverträge seien so flexibel, dass für Betriebe in schwierigen Situationen immer zugeschnittene Lösungen gefunden werden könnten. Besonders bei einer konjunkturellen Abkühlung sei es umso wichtiger, „mit Tarifverträgen den Beschäftigten Sicherheit und den Unternehmen verlässliche Planungsgrundlagen zu geben“, so Horn. Das sei auch wesentlicher Faktor bei der Überwindung der Finanzkrise 2008 gewesen – und den anschließenden Aufschwung.

MATTHIAS FRANZ

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