Bulgarin an der Spitze des Weltwährungsfonds

von Redaktion

Kristalina Georgiewa studierte noch im Kommunismus – Altersgrenze wohl kein Problem

Washington – Die Bulgarin Kristalina Georgiewa (65) soll nach dem Willen der Europäer neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden. Die EU-Staaten verständigten sich nach langen Debatten auf ihre Kandidatur, wie der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire mitteilte. Bei dem Votum schnitt Georgiewa laut Kreisen deutlich besser ab als ihr verbliebener Gegenkandidat, der frühere Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem (53) aus den Niederlanden. Es gibt aber eine Hürde für die frühere EU-Kommissarin: Sie wird am 13. August 66 Jahre alt. Nach der Satzung des Währungsfonds darf der Direktor oder die Direktorin zum Zeitpunkt der Ernennung aber nicht älter als 65 sein. Diese Altersgrenze kann mit einer Regeländerung an- oder aufgehoben werden. Dafür ist eine Mehrheit im Gouverneursrat, dem obersten Gremium des Fonds, notwendig. Die USA signalisierten für eine Regeländerung offenbar bereits Zustimmung.

Kristalina Georgiewa (65) ist derzeit Geschäftsführerin der Weltbank. Zuvor hatte sie das Institut schon einmal als Interimspräsidentin geleitet. Bevor die Bulgarin 2017 zur Weltbank zurückkehrte, arbeitete sie mehrere Jahre als EU-Kommissarin in Brüssel. Von 2010 an war sie zunächst für internationale Zusammenarbeit und humanitäre Hilfe zuständig, von Dezember 2016 an dann für den Bereich Haushalt und Personal. Damals wurde sie auch Vizepräsidentin unter Kommissionschef Jean-Claude Juncker.

Georgiewa wurde am 13. August 1953 in Sofia, der Hauptstadt Bulgariens, geboren. Die energisch auftretende Frau mit Kurzhaarschnitt schloss 1976 ihr Hochschulstudium an der Wirtschaftsuniversität in Sofia ab, die damals – zu kommunistischer Zeit – noch nach Karl Marx benannt war.

Georgiewas Studienfächer waren Politökonomie und Soziologie. Ihre Doktorarbeit von 1986, also aus der Zeit noch vor dem Ende des Kommunismus, beschäftigte sich mit „Umweltpolitiken und Wirtschaftswachstum in den USA“.

Die Ökonomin Georgiewa war auch schon für andere Topjobs im Gespräch. Der Posten des UN-Generalsekretärs ging 2017 dann aber an den ehemaligen portugiesischen Ministerpräsidenten António Guterres. Die Nachfolge des Luxemburgers Jean-Claude Juncker an der Spitze der EU-Kommission tritt im November die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen an.

Politisch steht die Ökonomin der in Sofia regierenden konservativen Gerb-Partei von Ministerpräsident Boiko Borissow nahe. Georgiewa ist verheiratet und hat ein Kind.

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