Munich Re: Selbst Boeing kann Quartalsbilanz kaum trüben

von Redaktion

München – Die Milliarden-Grenze hat die Munich Re dann doch nicht geknackt: Am Ende waren es 993 Millionen Euro, die der Konzern im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres verdient hat, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Auch wenn die Marke knapp verpasst wurde: Es handelt sich um den höchsten Quartalsgewinn der Munich Re seit vier Jahren. „Die Geschäfte laufen nicht nur gut, sie wachsen auch noch profitabel“, sagte Vorstandschef Joachim Wenning bei der Präsentation der Halbjahresbilanz gestern in München.

Völlig unerwartet kommt der hohe Gewinn nicht: Bereits Ende Juli hatte das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung die Anleger mit der positiven Nachricht überrascht, dass der Gewinn im zweiten Quartal unerwartet hoch ausfallen würde. Damit setzte sich der Rückversicherer deutlich von den Krisenmeldungen aus der deutschen Industrie ab, die in den vergangenen Monaten eher durch Gewinnwarnungen auffielen.

Dass es bei der Munich Re anders läuft, liegt am sehr speziellen Geschäft des Rückversicherers: Die Munich Re profitierte zwischen Mai und Juli von einer überraschend geringen Belastung aus Großschäden. In Zahlen: Lag die Belastung durch Großschäden im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch bei 605 Millionen Euro, waren es 2019 mit 202 Millionen Euro nur ein Bruchteil davon.

Und wenn es auf der Welt doch einmal krachte, tangierte es die Münchner kaum. Beispiel Raketenabsturz: Mitte Juli misslang der Start einer Vega-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana, ein Erdbeobachtungssatellit an Bord wurde komplett zerstört. Zwar belastete der Absturz die Bilanz der Munich Re mit 40 Millionen Euro, wie Finanzvorstand Christoph Jurecka erklärte, ihm bereite das aber „kein großes Kopfzerbrechen“, sagte er.

Auch die finanzielle Belastung durch zwei abgestürzte Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max im Frühjahr scheint die Munich Re finanziell gut zu verkraften: Wie bereits im März geht Jurecka nach wie vor von einer Belastung in Höhe eines „niedrigen dreistelligen Millionenbetrages“ aus – für den Rückversicherer verschmerzbar.

An den Jahreszielen hält Wenning daher fest: Bleiben weitere Überraschungen im kommenden Halbjahr aus, rechnet er aufs Jahr gesehen mit einem Gewinn in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro. Und da die Munich Re eine durchschnittliche Hurrikan-Saison an der US-Ostküste erwartet, ist das Erreichen des Ziels wahrscheinlich. Entsprechend groß sind Wennings Ambitionen: 2020 will er noch einmal eine Schippe drauf legen – dann soll der Gewinn bei 2,8 Milliarden Euro liegen. SEBASTIAN HÖLZLE

Artikel 5 von 5