Weniger Frauen in der Berufsausbildung

von Redaktion

Wiesbaden/München – Immer weniger Frauen entscheiden sich in Deutschland für eine Ausbildung. Das geht aus Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden veröffentlicht hat. Demnach sank die Zahl der weiblichen Jugendlichen, die 2018 eine Ausbildung begonnen haben, um ein Prozent auf 192 000. „Damit hält der seit zehn Jahren zu beobachtende Trend, dass Frauen immer seltener eine duale Ausbildung ergreifen, weiter an“, schreiben die Statistiker. 2018 hätten 25 Prozent weniger Frauen eine Ausbildung begonnen als 2008.

Eine Erklärung dafür liefert die Behörde nicht, als wahrscheinlich gilt aber der Trend zum Studium: So waren im Wintersemester des vergangenen Jahres in Deutschland mehr Frauen als Männer an den Universitäten eingeschrieben.

Anders bei jungen Männern: Hier entschieden sich auch 2018 knapp 330 000 für eine Berufsausbildung – rund 2,6 Prozent mehr als 2017. Damit stieg auch insgesamt die Zahl junger Menschen mit neuem Ausbildungsvertrag gegenüber 2017 um 1,2 Prozent auf 521 901.

Einen hohen Anteil am Zuwachs der Ausbildungsneuverträge hatten besonders ausländische Jugendliche. Deren Zahl stieg um 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch Menschen aus Krisenregionen fassen zunehmend Fuß auf dem deutschen Arbeitsmarkt: 7953 junge Syrer starteten 2018 eine Ausbildung in Deutschland, rund 66 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl junger Afghanen wuchs deutlich – um rund 23 Prozent auf 7371.

Ein ähnlicher Trend ist in Bayern zu beobachten: „Auch in Bayern haben die Betriebe im IHK-Bereich 2018 ein höchst willkommenes Plus bei den Ausbildungsverträgen verzeichnet, das mit 2,3 Prozent Zuwachs über dem Bundesdurchschnitt lag“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie-und Handelskammertages (BIHK), Manfred Gößl. Junge Menschen aus fluchtwahrscheinlichen Ländern hätten dabei exakt 3001 Lehrverträge abgeschlossen, darunter 748 aus Afghanistan und 637 aus Syrien. „Bayernweit hatten damit über fünf Prozent unserer neuen Azubis einen Fluchthintergrund“, so Gößl.

Grund für die Zunahme: Die Betriebe im Freistaat suchen händeringend nach Fachkräften. „Eine BIHK-Umfrage im Frühjahr hat gezeigt, dass immer mehr Betriebe in Flüchtlingen ein wichtiges Arbeitskräfte- und Nachwuchspotenzial sehen“, sagte Gößl.

Auch eine Umfrage des Bayerischen Unternehmensverbands Metall- und Elektro (bayme) hatte Anfang August ergeben, dass 28 Prozent der befragten Unternehmen Ausbildungsstellen mit Geflüchteten besetzten – nach 22,3 Prozent im Vorjahr.

Insgesamt haben bei neuen Vertragsabschlüssen bundesweit aber nicht die Berufe der Metall- und Elektroindustrie die Nase vorn: 2018 war der Beruf Bürokaufmann/-kauffrau erstmals der beliebteste. Danach folgten Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel, Kfz-Mechatroniker und Verkäufer/in. Die Beliebtheit der Berufe ist zwischen Männern und Frauen aber sehr unterschiedlich (siehe Grafik). Insgesamt befanden sich in Deutschland im vergangenen Jahr etwa 1,33 Millionen junge Menschen in einer Ausbildung. MATTHIAS FRANZ

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