Extremwetter gefährdet Ernten

von Redaktion

Ernten werden knapp und damit Lebensmittel, weil Dürren und Hitzewellen zunehmen – der Weltklimarat zeichnet ein erschreckendes Bild. Er fordert Reformen in der Landwirtschaft.

VON HANNA GERSMANN

Genf – Erstmals hat sich das hochrangige Expertengremium des Weltklimarates damit beschäftigt, wie es global um Boden und Land bestellt ist. Almut Arneth, Professorin am Karlsruher Institut für Technologie und eine der Autorinnen, sagte: „Land ist die Existenzgrundlage für die Gesellschaft, wir zerstören sie, das ist ein großes Risiko.“ Aber es gebe „Möglichkeiten, uns zu bessern“.

100 Experten aus 52 Ländern haben drei Jahre lang 7000 Veröffentlichungen durchforstet und so den aktuellen Stand der Forschung zusammen getragen. In den letzten sieben Tagen sind dann noch einmal Regierungsvertreter aus 195 Staaten Zeile für Zeile durchgegangen. Die entscheidenden, von allen akzeptierten Erkenntnisse:

Es wird wärmer

Die Landflächen der Erde haben sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bereits um knapp 1,5 Grad Celsius erwärmt. Da sich die Meere langsamer erwärmen als die Landmasse, liegt das globale Temperaturplus bei 0,87 Grad Celsius. Die Klimazonen verschieben sich in Richtung der Pole. In den hohen Breiten profitieren Menschen womöglich davon, aber am Äquator zum Beispiel wird es für Mais und Weizen schwierig. „Die Nachteile werden nicht ausgeglichen“, erklärte IPCC-Autor, Hans-Otto Pörtner, Professor am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Wüsten dehnen sich aus, schon heute sind davon 500 Millionen Menschen bedroht.

Ernteerträge sinken

In den kommenden Jahrzehnten werden Hitzewellen sowie Dürren nicht zuletzt rund ums Mittelmeer zunehmen – mit ihnen Feuer, Brände, Wassermangel. Zugleich werden in vielen Regionen extreme Regenfälle häufiger vorkommen. Schon heute sind die Getreideernten mancherorts zurückgegangen. „Die Stabilität des Nahrungsmittel-Angebots wird voraussichtlich sinken“, erklären die Wissenschaftler. Verbraucher müssten sich auf steigende Preise, eine sinkende Qualität und Störungen in den Lieferketten einstellen. Geradezu paradox erscheint da ein anderes Problem: Ein Viertel bis ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittel landet heute im Müll.

Umsteuern ist nötig

Gut 70 Prozent der eisfreien Landfläche auf dem Planeten werden vom Menschen genutzt, etwa als Acker oder als Wald. Ein Viertel dieses Landes leidet bereits an Zerstörung. Der Hintergrund: Die weltweit für Menschen bereitgestellte Menge an Pflanzenölen und Fleisch hat sich seit 1961 pro Kopf mehr als verdoppelt. Zudem werden pro Kopf rund ein Drittel mehr Kalorien hergestellt. Allerdings werden sie ungleich verteilt. Rund zwei Milliarden Erwachsene gelten als übergewichtig oder fettleibig. Zugleich sind rund 821 Millionen Menschen unterernährt.

Künftig soll mehr Gemüse auf den Tisch: Mittlerweile kommen fast ein Viertel, genauer 23 Prozent, der weltweiten klimaschädlichen Treibhausgasemissionen aus der Landnutzung. Zwar müsse auch der Energie- und Verkehrssektor runter von den Treibhausgasemissionen, sagte Wissenschaftler Pörtner, aber: „Wir müssen Nahrung anders produzieren und verbrauchen“. Getreide, Nüsse, Gemüse seien klimafreundlicher als ein Stück Fleisch. Pörtner will Fleisch aber nicht verbieten. Entscheidender sei, dass die Landwirtschaft selbst die Umwelt stärker schont – mit weniger künstlichem Dünger und vielfältigeren Fruchtfolgen etwa.

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