Heruntergelassene Rollläden – und das über viele Wochen im Jahr. In Garmisch-Partenkirchen sprechen Einheimische von „Zweitwohnungs-Ghettos“. „Wenn jene Zweitdomizile, die nur zwei Wochen im Jahr bewohnt sind, an die Bevölkerung gehen würden, hätten wir keinen Wohnungsmangel“, so die CSU-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch. In Garmisch-Partenkirchen sind das 1600 Immobilien. Deshalb wird auch dort eine Zweckentfremdungssatzung nach dem Berchtesgadener Modell diskutiert. In Kreuth ist man da schon einen Schritt weiter. „Wir haben einen Entwurf vorbereitet und zur rechtlichen Prüfung vorab dem Gemeindetag zugeleitet“, sagt Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU). Wahrscheinlich nach der Sommerpause solle die „Anti-Zweitwohnungs-Satzung“ beschlossen werden. Das heißt: Die Umwandlung in einen Zweitwohnsitz muss künftig genehmigt werden.
In der Regel soll es dann einen negativen Bescheid geben. Bestehende Zweitwohnungen haben einen Bestandsschutz. Die 400 Zweitwohnungs-Besitzer in Kreuth werden dafür nach dem Tegernseer Vorbild zur Kasse gebeten: Die Stadt ist im vergangenen Jahr mit einer drastischen Erhöhung der Zweitwohnungssteuer von 12 auf 20 Prozent (bezogen auf die Netto-Kaltmiete) vorgeprescht. Andere Gemeinden im Tal haben inzwischen nachgezogen. Jetzt gibt es eine erste Bilanz: „30 Zweitwohnungen wurden aufgegeben oder wurden zu Hauptwohnungen gemacht“, sagte der Tegernseer Kämmerer Jürgen Mienert. Genau eine Million Euro hat die Stadt im vergangenen Jahr aus der Zweitwohnungssteuer eingenommen – und damit 429 000 Euro mehr als vor der Erhöhung.
Die Betroffenen wiederum sprechen von Enteignung und Vertreibung. Einige haben Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht. Die Bürgermeister im Tal sehen aber keine Alternative. „Wir haben unsere Gemeinde zu schützen“, betonte Bad Wiessees Zweiter Bürgermeister Robert Huber (SPD). Von 361 Zweitwohnsitzen im Jahr 2013 sei die Zahl auf derzeit 724 angeschwollen.