Wirtschaftsleistung in Deutschland bricht ein

von Redaktion

Flaute statt Frühjahrsaufschwung: Internationale Handelskonflikte haben die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal ausgebremst, das Bruttoinlandsprodukt ist geschrumpft. Bleibt es bei einer Delle?

VON FRIEDERIKE MARX

Wiesbaden – Die exportorientierte deutsche Wirtschaft hat im Frühling eine Vollbremsung hingelegt: Belastet von internationalen Handelskonflikten und der Abkühlung der Weltwirtschaft schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal (siehe Grafik). Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mit. Zum Jahresanfang war Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen.

Regierung plant keine Stabilisierung

Die Regierung sehe keine Notwendigkeit für weitere Maßnahmen, die die Konjunktur stabilisierten, sagte die stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung, Ulrike Demmer. Für das Gesamtjahr gehe man weiter von einem leichten Wirtschaftswachstum aus. Zuletzt rechnete die Regierung mit einem Plus von 0,5 Prozent. Im vergangenen Jahr war das Bruttoinlandsprodukt um 1,5 Prozent gestiegen. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten bereits erklärt, am Prinzip der „schwarzen Null“ festhalten zu wollen – also einer Politik ohne neue Schulden. Es mehren sich jedoch die Stimmen, die mehr Investitionen der öffentlichen Hand fordern, um die Konjunktur in dem rauen Klima wetterfest zu machen.

Außenhandel bremst Wachstum

Gebremst wurde die Entwicklung nach Angaben der Wiesbadener Behörde vom Außenhandel. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen sanken im Vergleich zum Vorquartal stärker als die Importe. Die Abkühlung der Weltwirtschaft, die Unsicherheiten wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China sowie die Unwägbarkeiten des Brexits belasten die exportorientierte deutsche Industrie.

Einzige Stütze ist der Binnenkonsum

Gestützt wurde die Konjunktur von der Kauflaune der Verbraucher. Die Menschen sind angesichts niedriger Arbeitslosigkeit und gestiegener Löhne in Konsumlaune. Zudem wirft Sparen wegen der Zinsflaute kaum mehr etwas ab. Zuletzt wurden die Verbraucher nach Angaben der GfK-Konsumforscher allerdings vorsichtiger. Meldungen über Personalabbau und die Einführung von Kurzarbeit ließen die Angst vor einem Jobverlust wachsen.

Altmaier: „Weckruf und Warnsignal“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bezeichnete die Zahlen als „Weckruf und ein Warnsignal“. Gleichzeitig sagte der Minister der „Bild“-Zeitung aber: „Ein deutlicher Abschwung zeichnet sich nicht ab.“ Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wuchs die deutsche Wirtschaft bereinigt um Kalendereffekte im zweiten Quartal um 0,4 Prozent.

Deutschland droht leichte Rezession

Die für das dritte Quartal erhoffte Konjunkturerholung steht zunehmend in Frage. „Ein negatives drittes Quartal in Deutschland ist wahrscheinlich und damit eine zumindest leichte Rezession“, sagte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer bleibt die deutsche Wirtschaft „in einem Graubereich zwischen Magerwachstum und Rezession“. Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer „technischen Rezession“. Es handelt sich in diesem Fall aber nur um eine sehr milde Form des Abschwungs. Anders sähe es aus, wenn die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr gegenüber dem Vorjahr schrumpft. Damit rechnet aktuell jedoch niemand.

Artikel 3 von 4