Rosenheim/Wolfsburg – Ferdinand Piëch, ehemaliger Vorstands- und Aufsichtsratschef des Volkswagen-Konzerns, ist Presseberichten zufolge tot. Piëch sei am Sonntagabend in einer Klinik im bayerischen Rosenheim im Alter von 82 Jahren gestorben, berichtete die „Bild“ am Montagabend. Unter Berufung auf die Familie des langjährigen Firmenpatriarchen vermeldete kurz darauf auch das „Handelsblatt“ den Tod Piëchs. Ein Konzernsprecher wollte die Berichte zunächst nicht kommentieren.
Laut „Bild“ war Piëch zu einer Veranstaltung nach Oberbayern gereist. Demnach kollabierte er in einem Rosenheimer Restaurant vor den Augen seiner Ehefrau Ursula Piëch. Rettungskräfte seien herbeigerufen und Piëch sofort in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Dort sei der 82-Jährige gestorben.
Den Ausbau des VW-Imperiums sah Piëch als eine Art Lebenswerk. Den Konzern führte er zuweilen wie einen Familienbetrieb. Lange Zeit regierte er erfolgreich von seinem Wohnort Salzburg aus, war oberste Instanz, ein VW-„König“. Der „Alte“ wurde er genannt. Doch das Kapitel war 2015 nach heftigen internen Machtkämpfen beendet. Piëch war raus aus VW und der Dach-Holding Porsche SE. Er verkaufte den weitaus größten Teil seines milliardenschweren Aktienpakets, vor allem an seinen jüngeren Bruder Hans Michel Piëch. Kurz zuvor hatte er Konzernchef Martin Winterkorn öffentlich das Vertrauen entzogen und erklärt, er sei auf „Distanz“ zum VW-Chef.
Ferdinand Piëchs Ziel war immer, Volkswagen zur Nummer eins in der Welt zu machen – mit allem, was auf Straßen fährt, von Kleinwagen bis zum Laster. „Ich bin nicht gern Zweiter“, sagte Piëch einmal in einem Interview. Vor dem Urteil des genialen Konstrukteurs mit Detailliebe zitterten die Ingenieure in Wolfsburg. Der als autoritär geltende Chef fackelte nicht lange, der Respekt vor ihm war groß im Konzern. 1999 wählte ihn eine internationale Fachjury zum „Automanager des Jahrhunderts“.
Piëch wurde am 17. April 1937 in Wien als Sohn des Juristen Anton Piëch und der Porsche-Tochter Louise geboren, er ist der Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche. Nach seinem Maschinenbaustudium bis Anfang der 70er Jahre arbeitete er bei Porsche. Dann beschloss der Porsche-Clan jedoch, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Also wechselte er zu VW. Dort galt Piëch am Ende als Patriarch. In seiner Zeit als Vorstandschef von 1993 bis 2002 formte Piëch VW zum Multimarken-Konzern. Unter dem Dach von Volkswagen sind Marken wie VW, Audi, Seat, Bugatti, Lamborghini und Porsche vereint.
Nach der Ära der Alpha-Manager Piëch und Winterkorn – und vor allem nach dem einschneidenden Abgasskandal – blieb bei Volkswagen kaum ein Stein auf dem anderen. Ein „Kulturwandel“ wurde von Winterkorns Nachfolger Matthias Müller ausgerufen: Weniger Zentralismus, mehr Verantwortung für die einzelnen Manager, mehr interne Kritik waren die Ziele. Die Mitarbeiter sollten nicht mehr zittern – wie einst vor einem Patriarchen wie Piëch.