München will 10 000 elektrische Ladepunkte

von Redaktion

München – Die Elektromobilität in München kommt in Fahrt. Noch ist die bayerische Landeshauptstadt mit 945 öffentlichen Ladepunkten knapp hinter Hamburg (948) auf Platz zwei unter den deutschen Städten. Doch das dürfte sich zügig ändern. Bis 2020 werden allein die Stadtwerke München 550 Ladesäulen mit insgesamt 1100 Ladepunkten in der Stadt aufgestellt haben. Dazu kommen 1655 Ladepunkte an Wohngebäuden, auf Gewerbegrundstücken sowie in öffentlichen Parkhäusern und weitere 400 Ladepunkte von privaten Anbietern auf öffentlichem Grund. „Wir wollen Wirtschaftskraft und Mobilität in der Stadt halten“, sagt die Münchner Umweltreferentin Stephanie Jacobs.

Der größte Nutzer dieser zahlreichen Stromtankstellen ist heute schon Drive Now. Der Carsharing-Anbieter von BMW, der gerade mit der Daimler-Tochter Car2go zu Share Now fusioniert, will seine Münchner Flotte von elektrischen i3 deutlich aufstocken. Derzeit sind 85 der rund 1000 Fahrzeuge des Anbieters in München elektrisch unterwegs. Bis Ende des Jahres werden es 200 sein. Bis 2030 kann sich BMW-Vorstandsmitglied Peter Schwarzenbauer sogar eine rein elektrische Car-Sharing-Flotte vorstellen. Das wäre gegenwärtig noch nicht möglich. Denn in den Außenbezirken fehlt es noch an Lademöglichkeiten. Wer elektrisch unterwegs ist, droht liegen zu bleiben. Doch der Ausbau soll weitergehen. „Die 550 Ladesäulen sind nur ein Etappenziel“, sagt Stephanie Jacobs. Bis 2030 sollen es 5000 sein mit 10 000 Ladepunkten.

Die Stadt will auch bei ihren eigenen Fahrzeugen weitestgehend auf elektrische Antriebe setzen. Auch Busse sollen – wenn möglich – elektrifiziert werden. Und Diesel-Busse sollen nur noch eingesetzt werden, wenn sie die Euronorm 6d erfüllen. Darauf hat sich die Stadt auch mit den Subunternehmern geeinigt, die im städtischen Auftrag fahren.

„Wir haben langsam angefangen“, räumt Peter Schwarzenbauer ein. Aber die Dynamik wächst. Allein über die i3 von Drive Now haben nach seinen Worten bereits 100 000 Münchner Elektro-Fahrzeuge ausprobiert. „Das Emotionale an der Elektromobilität muss man erfahren haben“, sagt er. Das Ergebnis dieser Erfahrung: 79 Prozent der Nutzer von Share Now – das ergab eine Kundenumfrage – entscheiden sich für Elektrofahrzeug, wenn es in gleicher Entfernung wie ein Auto mit Verbrennungsmotor zur Verfügung steht.

Die gemeinsame Aktion der bayerischen Landeshauptstadt mit ihrem größten Industrieunternehmen soll auch ein verbreitetes Verschiebemuster durchbrechen. Schwarzenbauer: „Die Industrie sagt, die Politik muss. Die Politik sagt, die Industrie muss. Wir müssen aber in Wahrheit beide.“ MARTIN PREM

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