Frankfurt/München – Noch in diesem Jahr wollen die Partner in Hessen zehn gemeinsame Filialen eröffnen. Weitere 16 solcher „Finanzpunkte“ im Hochtaunuskreis und im Main-Taunus-Kreis sollen bis spätestens Ende 2021 folgen, wie die beiden Institute am Dienstag mitteilten.
Die flächendeckende Kooperation gehe „über alle Grenzen der tradierten Säulen des Bankwesens hinweg“, sagte die Vorstandsvorsitzende der zweitgrößten Volksbank Deutschlands, Eva Wunsch-Weber bei der Vorstellung des Konzepts am Dienstag in Sulzbach im Taunus. „Wir nutzen gemeinsame Räumlichkeiten, bleiben dabei aber selbstverständlich Wettbewerber.“
An 17 der 26 Standorte wollen die beiden Institute künftig an jeweils unterschiedlichen, aber festen Tagen in der Woche Service- und Beratungsleistungen anbieten. Im Regelfall sollen an zwei Tagen Volksbank-Mitarbeiter und an zwei anderen Tagen Sparkassen-Mitarbeiter in der Filiale sein. Die Kunden sollen anhand unterschiedlicher Beleuchtung – mal rot für die Sparkasse, mal blau für die Volksbank – erkennen können, welches Institut gerade vertreten ist. In Schöngeising und anderen Gemeinden im Landkreis Fürstenfeldbruck kennt man diese Farbenspiele schon lange. 2004 zog die Volksbank als Untermieterin in die Geschäftsräume der Sparkasse ein. Seitdem gilt: zwei Tage Volksbank, zwei Tage Sparkasse. „Einen Masterplan“ für eine flächendeckende Zusammenarbeit wie in Hessen gab es im Freistaat aber nicht und er sei auch nicht geplant, sagt Eva Mang, Pressesprecherin des Landesverbands der Sparkassen. Kooperationsmöglichkeiten würden vor Ort überprüft, sollte der Wunsch auftreten.
In Hessen betonen die Vorstandsvorsitzenden, dass die Maßnahme keinesfalls ein Schritt in Richtung eines Zusammenschlusses sei. Sie verweisen unter anderem auf hohe rechtlichen Hürden. Und: „Wir fühlen uns wohl in den jeweiligen Verbünden. Diese Kooperation ist in keiner Form ein Testlauf für eine Fusion“, wie Oliver Klink, Vorstandsvorsitzender der Taunus Sparkasse, sagt. In den nächsten drei Jahren wollen die Geldhäuser zu gleichen Teilen insgesamt fünf Millionen Euro in das Projekt investieren. Im Gegenzug sparen sie jeweils jährlich Kosten in einstelliger Millionenhöhe. Es handle sich nicht um ein Sparprogramm, versichern die beiden Vorstandschefs. Es werde kein Personal abgebaut und das Filialnetz werde nicht ausgedünnt. Im Gegenteil: „Jeder Partner wird künftig an vier zusätzlichen Standorten vertreten sein.“ Und: Beide bleiben Konkurrenten.