Frankfurt – Die Krise hat sich schon vor zwei Jahren abgezeichnet. Damals musste der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit 994 Ausstellern und damit 100 weniger als 2015 bei der Internationalen Automobilausstellung (IAA) zufrieden sein. Bei der aktuellen Auflage der Autoschau haben gleich reihenweise Hersteller und Zulieferer abgewunken. Sie bleiben der IAA fern, die am 12. September durch Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet wird. Diesmal sind es nur noch rund 800 Firmen, die in die Frankfurter Messehallen und auf das Freigelände kommen, muss VDA-Präsident Bernhard Mattes einräumen.
Die deutschen Autokonzerne specken ihre Auftritte deutlich ab. Rund 30 wichtige Hersteller verzichten auf die IAA. Darunter sind etwa Toyota, Volvo, Peugeot, Fiat und Alfa Romeo. Und Probesitzen in einem Ferrari, Maserati, Aston Martin oder Rolls-Royce ist auch nicht. Die früher umlagerten Edel-Modelle fehlen. Tesla wollte zunächst auch nicht teilnehmen und ist aber nun doch auf der IAA vertreten. Aus Japan und Korea kommen nur Honda, Kia und Hyundai. Immerhin sind etliche Hersteller aus China dabei. „Die IAA steckt in der Krise“, sagt Jürgen Pieper, renommierter Kenner der Branche beim Bankhaus Metzler.
Wie selten zuvor sehen sich der VDA und die gesamte Branche bei der IAA einer massiven Protestwelle ausgesetzt. Schon bei der Präsentation der Autoschau am Wochenbeginn in Frankfurt tummelten sich vor dem Frankfurter Congress Center Demonstranten. Die „Fridays for Future“-Bewegung hat die Autoschau erreicht. Wie schon bei früheren IAAs haben Deutsche Umwelthilfe, der BUND, Greenpeace, der Verkehrsclub Deutschland oder Attac Proteste angekündigt. Am 14. und 15. September, den traditionell besucherstärksten Tagen, soll es die größten Demonstrationen geben. In diesem Jahr gesellt sich zu den Kritikern das Bündnis „Sand im Getriebe“. Die IAA sei Symbol einer überalterten Verkehrsordnung, sei kein Akteur der Verkehrswende, Elektrofahrzeuge seien nur ein Feigenblatt, heißt es dort. Am ersten IAA-Sonntag will das Bündnis die Zufahrten zur Messe blockieren – „friedlich, ruhig und besonnen“.
Der VDA ist bemüht, die Situation zu beruhigen, hat die Kritiker zum Dialog aufgerufen. Knapp eine Woche vor Beginn der Schau lud der Verband zu einem öffentlichen Dialog, unter anderem mit Daimler-Vorständen und BMW-Betriebsräten. Am 13. September veranstaltet der Verband im Rahmen der IAA einen Bürgerdialog „Mobilität der Zukunft“ mit Porsche-Chef Oliver Blume, Bosch-Chef Volkmar Denner und Ola Källenius, dem Vorstandsvorsitzenden von Daimler. Klimaschutz, individuelle Mobilität und Elektromobilität sollen unter anderem die Themen sein. Källenius wird auf der IAA mit Grünen-Chef Robert Habeck diskutieren. Volkswagen-Chef Herbert Diess stellt sich der Diskussion mit Klimaaktivisten.
Aber selbst der Branche durchaus zugeneigten Beobachtern wie Metzler-Experte Pieper ist das zu wenig. „Mir fehlt eine klare Botschaft.“ Immer noch präsentierten die deutschen Hersteller wie Mercedes und BMW große und immer größere SUVs, wie die G-Modelle von Mercedes oder den X 7 von BMW. Gleichzeitig machten sie sich für Elektrofahrzeuge stark. „Das passt nicht. Das ist unglaubwürdig“, sagt Pieper. „Die großen Hersteller sollten sich von den dicken Autos verabschieden.“
Der Fortschritt in Sachen Elektromobilität seit der IAA vor zwei Jahren erscheint überschaubar. Auch wenn etwa VW mit seinem Elektroauto ID 3 in diesem Jahr Maßstäbe setzen will. Und Opel den ersten e-Corsa präsentiert. Aber ähnliche kleine e-Modelle gibt es schon länger, etwa von Renault mit dem elektrischen Kleinwagen Zoe.