Deutsche werden mit E-Autos nicht warm

von Redaktion

Elektroautos und autonomes Fahren haben es bei den Deutschen schwer. Nach wie vor sind viele Menschen skeptisch gegenüber den beiden Zukunftstechnologien, wie eine Umfrage der Beratungsgesellschaft EY kurz vor der Automesse IAA in Frankfurt ergab.

VON ROLF OBERTREIS

Frankfurt – Zu teuer, zu geringe Reichweite, zu wenig Ladepunkte und auch dadurch viel zu umständlich – deutsche Verbraucher können Elektroautos noch nicht viel abgewinnen. Nur ein Viertel zieht ein solches Fahrzeug beim Neukauf überhaupt in Erwägung, für zwei Drittel dagegen kommt ein E-Auto vorerst nicht in Frage.

Generell aber hängen die Verbraucher weiter am Auto. Für fast drei Viertel bleibt der Besitz eines eigenen Autos wichtig. 44 Prozent wollen ihr Mobilitätsverhalten nicht ändern und nur 13 Prozent erwägen, aus Gründen des Klimaschutzes weniger Auto zu fahren.

Kurz vor der Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt zeigt das jüngste Automobilbarometer der Unternehmensberatung EY, dass die E-Mobilität in Deutschland weiter in den Kinderschuhen steckt. Hersteller und Politik haben noch einiges zu tun. Nicht umsonst sollen E-Autos und die Elektromobilität auf der Autoschau von 12. bis 22. September eine zentrale Rolle spielen. „Den Automobilherstellern und der Politik ist es bisher nicht gelungen, dem Großteil der Autokäufer den Mehrwert der E-Mobilität zu vermitteln,“ sagt EY-Partner Peter Fuß. „Im Gegenteil: Nach wie vor fehlt in Deutschland die nötige Infrastruktur.“ Bis 2021 würden deutlich mehr Ladesäulen benötigt, denn dann würden E-Autos einen Anteil von fünf Prozent an den Neuzulassungen haben, sagt Fuß.

Die Skepsis der Verbraucher gegenüber E-Autos ist nach wie vor groß, wie die am Sonntag von EY vorgelegte Studie zeigt. Rund ein Drittel will sich beim nächsten Autokauf für einen Benziner entscheiden und rund ein Fünftel für einen Diesel. Nur neun Prozent haben ein Elektro-Fahrzeug im Blick. Sechs Prozent denken an einen Plug-In-Hybrid und 16 Prozent an einen Vollhybrid, also ein Fahrzeug mit zusätzlichem Elektromotor für kurze Strecken, dessen Batterie während der Fahrt mit dem Benzinmotor aufgeladen wird. Als Gründe für die Ablehnung von E-Autos nennen knapp 30 Prozent die zu geringe Reichweite, für einen ähnlichen Anteil sind die Fahrzeuge schlicht zu teuer, 13 Prozent bemängeln fehlende Ladepunkte. Und fast genauso viele sagen, das Laden der Batterie dauere zu lange.

Noch weniger als mit E-Autos können sich der Analyse zufolge die Verbraucher mit eigenständig fahrenden Autos anfreunden. Die Hälfte lehnt es ab, sich in ein rein autonom fahrendes Auto zu setzen. Selbst wenn sie noch in die Bedienung des Fahrzeugs eingreifen können, halten 30 Prozent nichts davon. Damit sei die Ablehnung des autonomen Fahrens seit den Studien von 2013 und 2017 sogar noch deutlich gestiegen, sagt Fuß.

Grund für die Ablehnung selbstfahrender Autos ist vor allem die in den Augen der Verbraucher rechtliche Unsicherheit und ungeklärte Haftungsfragen. 30 Prozent führen das an. Ähnlich viele sehen die Sicherheit der Fahrgäste noch nicht gewährleistet. Mit der neuen 5G-Funktechnologie und der damit verbundenen Datenübertragung in Echtzeit hätten die Hersteller aber die Chance, das Sicherheitsbedürfnis der Verbraucher viel besser zu erfüllen, heißt es bei EY.

Immerhin stehen der Studie zufolge jüngere Verbraucher sowohl der Elektromobilität als auch dem autonomen Fahren aufgeschlossener gegenüber. Die Milliardeninvestitionen der Automobilindustrie in die Elektromobilität und das autonome Fahren könnten sich deshalb auf Sicht lohnen, sagt Fuß. Allerdings seien sie auf die Unterstützung der Politik angewiesen. Nur dann könnten sich E-Mobilität und autonomes Fahren großflächig durchsetzen.

Artikel 5 von 5