München – Einst wurde er als „Rambo in Nadelstreifen“ tituliert, er selbst bezeichnete sich als Schachspieler. Der frühere Daimler-Chef Jürgen Schrempp hat gern polarisiert. Er selbst sagte einmal über sich: „Nie grau – immer schwarz oder weiß.“ Mit Vollgas steuerte er den Daimler-Konzern in die Chrysler-Fusion – und scheiterte furios. Seit seinem Rückzug aus dem Vorstand vor 14 Jahren ist es ruhig geworden um den einstigen Star der Autobranche, der an diesem Sonntag seinen 75. Geburtstag feiert.
„Jürgen Schrempp war ein Menschenfänger. Er hatte eine unheimliche Überzeugungskraft“, sagt sein früherer Vorstandskollege Klaus Mangold. „Ich glaube, das war eine seiner großen Gaben, dass er die Menschen für sich einnehmen konnte.“ Doch die Zeit der großen Auftritte ist längst vorbei. Schrempp lebt zurückgezogen von der Öffentlichkeit in München. „Dem Daimler“ hält Schrempp aber nach wie vor die Treue. Jedes Jahr reist er für die Weihnachtsessen an, bei denen sich die amtierenden mit den Altvorständen austauschen.
Der Autobauer war jahrzehntelang sein Leben. Nach seiner Lehre in der Freiburger Mercedes-Benz-Niederlassung studierte Schrempp Maschinenbau und ging danach in die Zentrale der Daimler-Benz AG in Stuttgart. Nach Stationen im In- und Ausland – unter anderem war er Dasa-Chef in München – beerbte er 1995 seinen Ziehvater Edzard Reuter als Vorstandschef.
Nachdem Reuter versucht hatte, Daimler zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern zu machen, sanierte Schrempp das damals stark angeschlagene Unternehmen und verkaufte fast alles, was nicht zum Autogeschäft gehörte.
1998 gelang ihm die erst als Coup bejubelte Fusion mit Chrysler. Eine „Welt AG“ schwebte Schrempp vor – doch am Ende scheiterte er ebenso wie sein Vorgänger, Milliarden wurden verbrannt, und Chrysler-Aktionäre zerrten ihn vor Gericht.
Nach dem ebenfalls nicht von Erfolg gekrönten Einstieg bei Mitsubishi beugte sich der einst zum „Manager des Jahres“ gekürte Schrempp der Kritik der Aktionäre und erklärte 2005 seinen Rücktritt.
Dennoch denken viele bei Daimler noch gern an ihn. „Jürgen Schrempp war direkt in der Ansprache, aber ein sehr liebenswerter Mensch“, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter. Und Mangold erinnert sich: „Er konnte knochenhart sein, aber auch sehr emphatisch.“ Er schreibt Schrempp eine hohe soziale Kompetenz zu, das genaue Gegenteil von arrogant. „Jürgen Schrempp hat nie vergessen, dass er selbst mal den Blaumann getragen hat. Das hat ihn immer geerdet.“ ANNIKA GRAH